Strompreise und CO2-Zertifikate

Seit ich vor kurzem eine Diskussion mit einem Kollegen hatte, der betriebswirtschaftlich geschult ist, und auch schon länger im Bereich Stromhandel programmiert, weiss ich, dass folgender Logik nicht ganz offensichtlich ist, also:

  1. Es ist legitim, dass die Marktpreise der CO2 Zertifikate in die Strompreise einfliessen.
  2. Es ist implizit gewollt, dass die Strompreise höher werden mit dem Zertifikatehandel.
  3. Es ist überlebenswichtig, dass die Strompreise höher werden.

Ich werde diese 3 Thesen in den nächsten Zeilen/Wochen erläutern, und freue mich über Anregungen und Kommentare.

Die Marktpreise der CO2 Zertifikate müssen in die Strompreise einfliessen.

Obwohl manche Politiker es nicht wahrhaben wollen: es ist völlig legitim, dass die Preise der CO2 Zertifikate in den Strompreisen einfliessen. Es ist zwar so, dass die Versorgungsunternehmen die Zertifikate geschenkt gekriegt haben, aber dass heisst nicht, dass die Zertifikate nichts wert sind. Es sind Werte, die diesen Unternehmen jetzt auf der Bilanz haben, und bewirtschaften müssen. Wenn sie Strom produzieren, müssen sie diese Zertifikate abgeben. Wenn sie kein Strom produzieren, können sie die Zertifikate am Markt verkaufen, oder auf die Bilanz halten. Also ist der ‚Verbrauch‘ dieser Zertifikate als Produktionskostenpost zu sehen, und muss mit eingepreist werden. Das Argument, dass die Konzerne die Zertifikate umsonst bekommen haben, ist fadenscheinig: das war eine politische Entscheidung. (Und eine verpasste Chance: die Zertifikate hätten genau so versteigert werden können als die UMTS-Lizenzen.)

Um es noch mal bildhaft darzustellen: jeder wird ein geerbtes Haus verkaufen wollen, wenn er es nicht bewohnen oder vermieten will. Kaum einer wird es verschenken, weil er nichts dafür bezahlt hat.

Es ist implizit gewollt, dass die Strompreise höher werden mit dem Zertifikatehandel.

Nicht nur handeln die Konzerne legitim. Es war sogar das politische Ziel, dass die Preise steigen. In einem populistischen Umfeld ist es wahrscheinlich politischer Selbstmord, wenn man das eingesteht, aber noch mal: Die Preise mussten und müssen höher werden! Erst wenn die Preise höher sind, lohnt es sich, Strom auf andere Wege zu erzeugen. Und das war das Ziel der Bundesregierung: lasst den Markt es selber regeln. Die Strompreise müssen sogar dauerhaft höher werden, weil die Investition in neuen Kraftwerken eine Langfristinvestition ist. Laut dem Bremer Energie Institut müssen die Preise sowieso höher werden, damit sich neuen Investitionen in Kraftwerken lohnen…

Es ist überlebenswichtig, dass die Strompreise höher werden.

Nach meiner persönlichen Meinung ist es auch überlebenswichtig, dass die Strompreise stark steigen. Nur so fangen menschen an, Strom zu sparen. Die meisten EVUs machen jetzt Werbung für Strom Sparen, und das ist relativ neu. Langfristig helfen nur regenerative Energie und Strom sparen um eine Klimakatastrofe zu vermeiden. (In Deutschland könnte man 2 Kraftwerke abschalten, wenn man das Stand-By von elektrischen Geräten auslassen würde, habe ich mich erzählen lassen.)

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  1. […] und würden mehr Kohle- und weniger Gaskraftwerke gebaut werden. Das ist natürlich logisch, und nach meiner Meinung schlecht. Die Autoren der Studie sehen das […]

  2. […] Kartellamt, das die CO2 Zertifikatspreise nicht in die Strompreise einfließen dürfen. Ich habe hier erklärt, warum die Zertifikatpreise in die Strompreise einfliessen […]

  3. […] der Strompreis steigt So die Überschrift der TAZ am heutigen Tag. Ganz in meinem Sinne. Mit gleich 3 guten Artikeln von Klimaretter Nick Reimer zum […]

  4. […] gelesen, dass mancher Versorger darüber nachdenkt, die Preise noch weiter steigen zu lassen. Ich finde das gerecht, aber Sie können trotzdem etwas […]

  5. […] heute ein Kommentar zum Emissionshandel auf der Seite 1. Ich habe einen Kommentar geschrieben. (Das Thema interressiert mich nämlich schon länger.) Und da man nie weiss, ob ein Kommentar auch veröffentlicht wird, veröffentliche ich es […]

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