Effizientes Klimamanagement durch Handel mit Emissionen?

Entwurf!

Der Handel mit Emissionen ist relativ neu. Sie basiert auf eine Idee von Ronald Coase. Es ist ein interressantes Thema, auch für filosofische Stündchen.

Der erste Anlaß zum Filosofieren ist die Annahme einer Markteffizienz. Warum sind Märkte effizient? Wie funktioniert das? Was heisst es in dieser Perspektive, dass Emissionen für 2007 kaum noch was wert sind? Alles der Reihe nach.

  1. Wieso sind Märkte effizient? Weil viele Marktteilnehmer jeder für sich die beste Lösung suchen. Eine Markt ist ähnlich wie der Evolution so was wie ein verteiltes Optimierungs-Algorithmus. Gerade in den letzten Jahren ist viel dazu publiziert worden. Einen guten Überblick bietet ‚Swarm Intelligence‘ von Kennedy und Eberhart. (Ein gut lesbares Buch, auch für das breite Publikum wo ich mich zurechne). Modelle für Märkte werden oft auch als verteilte Modellen entwickelt, agentenbasiert oder biologisch inspiriert.
  2. Jedes Optimierungs-Algorithmus hat ein entscheidendes Problem zu überwinden: Wie unterscheidet man ein lokales von ein globales Optimum? Wie der Ameise der unten am Berg steht, und zum höchsten Punkt muss: ohne Karte sucht sie die nächthöchste Stelle. Dann die nächste, und so weiter, bis sie oben am Grasstengel angekommen ist.
  3. Jetzt haben wir globale Emissionen zu optimieren, und der Handel mit CO2-Zertifikaten als Weg zum Ziel. Die Frage ist, wie die Markteffizienz hier auswirkt. Genau genommen gibt es mehrere Fragen:
    1. Optimiert der Markt in der Richtung des Ziels? und
    2. Ist der Prozess so ausgelegt, dass er nicht im ersten lokalen Optimum hängen bleibt? und
    3. Bleibt die Optimierung innerhalb des Systems? und
    4. Ist es überhaupt klar, was die Systemgrenze sind?
  4. Märkte optimieren natürlich nicht in der Richtung eines externen Zieles. Genau genommen sind es nicht die Märkte die optimieren, sondern die einzelnen Teilnehmer, jeder mit seinen eigenen Zielen. Die Teilnehmer am Emissionsmarkt sind erst mal die großen Emittenten – die Akteure die bisher nicht Emissions-Reduktion zum Ziel hatten. Man kann also annehmen, dass eine Reduktion der Emissionen auch jetzt kein Optimierungsziel ist. Auch die Reduktion von volkswirtschaftlichen Folgeschäden der Emissionen dürfte nicht in der Vordergrund stehen. Hauptziel der Akteure im aktiven Handel dürfte also weiterhin das eigene Gewinn sein. Der einzige Moment, wo das Ziel der Emissions-Minderung mitspielt, ist der Moment der Zuteilung der Rechte.
  5. Wie kommt man vom lokalen zum globalen Optimum? Wie machen biologische Algorithmen das? Wie geht das in der Evolution – wenn wir schon annehmen, dass da eine Optimierung stattfindet? Jedenfalls nicht reibungslos. Die Dodos, Dinos und Säbelzahntiger sind ausgestorben. Der Mensch ist entstanden. Wie funktioniert das in der Kultur? Auch nicht automatisch. Die ursprünglichen Einwohner des amerikanischen Kontinents hatten die meisten großen Säugetiere schon ausgerottet, bevor sie sich eine Spiritualität zulegten, die die letzte Nahrungsquellen beibehalten hielf. (So habe ich jedenfals Bill Brysons Schlusskapittel interpretiert.) In ‚genetic algorithms‘ werden ‚Mutationen‘ eingesetzt um von kleinen Optima wegzukommen. Wie könnte sowas in dem Emissionshandel stattfinden? Und ohne das die Rechte der Marktteilnehmer gestört werden? Regeländerungen könnte man so interpretieren. Oder die Europäische Kommission, die plötzlich strickteren Regeln setzt. Wir sehen aber gerade im Anlauf zum NAP2 wieder die ganze Trittbrettfahrerei die der Handel eherunerquicklich macht. (Aber meine schöne Braunkohle:-( Aber mein schönes Kernkraftwerk:-( )

Notizen für später:

  • Die €3 von heute (26-Jan-2007) sind so ungefähr die Transaktionskosten für kleine Anlagen…
  • Wer hat die Rechte zugeteilt bekommen? Wie hätte der Markt funktioniert, wenn das die Konsumenten, oder alle Menschen auf der Welt gleich viel, gewesen wären.
  • Im Moment sind einige Tendenzen wahrzunehmen, die eher nicht zu einem globalen Optimum beitragen. Die Verwendung von Bio-Brandstoffen zeigt zum Beispiel folgenden Auswüchsen:
    • Die großflächige Verwendung von Palmöl bedroht den Lebensraum der Orang Utans.
    • Die Vergärung von Mais zu Ethanol für Bio-Sprit beraubt Völker von einem wichtigen Nahrungsmittel.
    • Die Steigerung der Gaspreise führt zu mehr Holzdiebstahl aus den deutschen Wäldern, die Zunahme der Holzpelletheizungen zu einer Steigung der Holzpreise, auch für Bauholz.

One Trackback

  1. […] Sich so wehren gegen jegliche EU-Regelung, dass es nur negativ auswirken kann. Dann dachte ich an meinen Überlegungen, die ich vor kurzem gehabt habe. Darüber, dass es in Märkte genau wie in anderen dynamischen Systemen eine gewisse Erschütterung […]

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