Marktversagen

Ich habe in den letzten Tagen auf McPlanet einige Malen das Wort ‚Marktversagen‘ gehört.

Um es mal ganz klar zu sagen: es gibt kein Marktversagen. Ein Markt ist ein dynamisches System. Es steht nicht fest, was in dem System passiert, und manchmal passiert etwas unerwartetes. Dann versagen unsere Erklärungsmodellen, nicht der Markt.

Und selbstverständlich versagen unsere Erklärungsmodellen, wenn es um einen Markt geht, der gerade zusammengebastelt ist, wie der Emissionsmarkt. Dieser Markt wird wie folgt legitimiert: bis zu einem bestimmten Limit (Cap) ist der Ausstoß von CO2 vertretbar oder sogar unvermeidbar. Mehr darf nicht. Wo aber reduziert wird ist nicht wichtig. Wenn wir also das Recht zum Emittieren verhandelbar machen, wird der Weg des geringsten Widerstands gesucht, und werden da Emissionen eingespart, wo es am billigsten ist.

Und es wär alles auch vielleicht planbar, wenn das System ein geschlossenes System wäre. Das ist es aber nicht.

Ökosysteme sind extrem spannend, wo sie auf anderen Systemen stoßen. Wo grenzt jetzt das europäische Emissionshandelssystem andere Systeme?

  • Es gibt berührung mit anderen Emissionshandelssystemen: 20% der Emissionen in Deutschland dürfen mit Zertifikaten aus Kyotomechanismen beglichen werden. Das ist der Unterschied zwischen ’sehr sportliches Ziel‘ und ‚keine Reduktionen in Deutschland erforderlich‘.
  • Die Grenzen zwischen emissionshandelspflichtig und nicht emissionshandelspflichtig sind durchlässig: das verfeuern von kanadischen Holzpellets in holländischen und britischen Kohlekraftwerke gilt als verfeuern von Biomasse, und braucht keine Zertifikate. Und die Emissionen der Schiffe, die die Pellets bringen, brauchen auch nicht mit Zertifikate abgedeckt zu werden. Dramatischer noch ist die Lage beim Palmöl.
  • Die Emissionshandel ist verknüpft mit der Stromhandel, mit der Konjunktur, mit den Gas- und Kohlepreise.
  • Allokation ist eine zutiefst politische Angelegenheit, und wird es immer sein. Der Markt besteht erst mal nicht, die Definition ist politisch.

Weiter ist nicht vorhersehbar, wie die interne Dynamik eines Systems ist. Über den primären Markt, die die Theorie vorhersagt, baut sich einen secundären Markt, mit Termin- und Optionshandel, Hedgefunds, Banken und andere unerwartete Bewohner des Ökosystems. Ein (Öko- oder Markt-) System ist nicht planbar. Es ist spannend, dass gerade BUND an ein statisches und kontrollierbares Modell festzuhalten scheint. (Zitat: ‚Der Naturschutzbund forderte via Emissionshandel höhere Preise für fossile Energieträger wie Kohle und Gas. Umso schneller entstünden Innovationen und Alternativen‘)

Dabei kann es auch noch sein, dass eine Strategie von billigen Schritten, wie das Modell es vorhersagt, kontraproduktiv ist.

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