Agilität und Foucault

Gesternabend war ich auf einen schönen Abend der ‚Agile Gruppe Bremen‚. Die agb ist im Grunde einen Stammtisch von Leuten die sich für agile Softwareentwicklung interressieren.

Jens hat das Thema ‚Agilität und Mikropolitik‘ vorbereitet. Oder aus dem Schrank geholt, da er das Thema schon mal vorgestellt hatte auf den XP-Days in Hamburg.

Er hat angefangen, mit Hilfe von Foucault unsere Zeit als eine Zeit des Umbruchs zu definieren. Wir sind in der Übergang vom Produktions- zum Wissensgesellschaft. Einer der Merkmalen ist, dass die Zielen der Individuen und der Gesellschaft immer mehr zusammenlaufen. ‚Alignment‘, ‚Eigenverantwortung‘, oder eben: Agile Softwareentwicklung. Wenn wir das agile Manifest lesen, sehen wir

  • Individuals and interactions over processes and tools
  • Working software over comprehensive documentation
  • Customer collaboration over contract negotiation
  • Responding to change over following a plan

Kurz gesagt: Werte aus dem (inter-)persönlichen Bereich anstatt Regeln und Vorschriften. Und es funktioniert: agile Softwareentwicklung ist keine Nischenmasche mehr, sondern Allgemeingut. Weil Softwareentwicklung besser funktioniert, wenn die Entwickler sich mit voller Kreativität einbringen, und wenn sie die eigene Kreativität zusammenbringen mit den Absichten des Kunden. (Interressante Lektüre: ‚Software for your Head‘ von Jim and Michele McCarthy.)

Interressant fand ich auch das Bild für den modernen Arbeitnehmer als Unternehmer oder ‚Intrapreneur‘.

Zum Schluss gab es eine Diskussion anlässlich der Frage: ist diese Art zu Arbeiten wirklich befreiend? Die Diskussion hat Spaß gemacht. Ich war der einzige, der sich kurz daneben benommen hat, und alle waren engagiert dabei. Agile Entwickler engagieren sich nun mal gerne, und mögen sich zeigen. Und es war ein richtiges Gespräch, ohne festes Ziel – wir sind auch nirgendwo angekommen – und voller Austausch. Wir waren uns einig, dass dieser gesellschaftlichen Tendenz eine Riesenchance für uns ist. Weil es uns Spaß macht, wenn wir uns in die Arbeit einbringen können. Aber es war uns auch klar, dass Leute rausfallen. Am Rand des Geschehens fällt man immer leichter runter.

Ich hatte für mich noch eine Entdeckung gemacht. Wir sprachen darüber, dass wir uns alle immer mehr in der Arbeit einbringen. Das heisst aber auch, dass andere Bereichen immer mehr professionalisieren. Mein Problem auf der McPlanet war, dass ich mich da schlecht einbringen konnte. Gesternabend hatte ich dann die Idee, das auch der Protest in unsere Gesellschaft professionalisiert.

Heute morgen habe ich mich gefragt, wie Guy Debord die G8-Proteste gesehen hätte…

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