Energiehandels-Software

Ich hatte ‚Trends in Energy Trading, Transaction and Risk Management Software‘ schon mal erwähnt. jetzt habe ich es gelesen. Es hat sich gelohnt.

Was mir besonders an dem Buch gefällt ist die Praxisnähe. Immer wieder werden die Grenzen angedeutet, die der Alltag vorgibt. Einige Zitate:

  • ‚Users often understand the true power of the software when it is too late an it is already configured and implemented.‘
  • ‚The growt challenge also resulted in a „brain trust“ where just a few resources really understood the product. Once a customer had exposure to one of the key resources that customer only ever wanted to have access to that resource, circumventing any attempts by the vendor to build a proper support organisation.‘
  • ‚IT staffs are too often stretched thin simply dealing with routine „support and maintenance“ issues to find the necessary resources and time for the planning that is required to properly support future business initiatives and industry changes.‘

Das letzte ist eine selbstverstärkende Schleife. Wenn du schon nicht mehr in der Lage bist, gut zu Planen, ist die Chance groß, dass die nächste Änderung noch mehr Wartung mit sich bringt.

Das Buch besteht grobwegs aus 3 Teile. Es fängt an mit einer Beschreibung der Markt, deren Geschichte und inneren Logik. Für dieses Teil ist Gary M. Vasey verantwortlich. Danach kommt eine Abschnitt zum Einfluss von regulatorischen Änderungen auf die Anforderungen an ETRM Software von Cal Payne. Und das Buch schliesst ab mit einige Stücke zum Architektur und zu den Selektionsprozesse für diese Software, wieder von Gary M. Vasey. Zwischen den Blöcken sind dann Sponsoren-Beiträge, einmal von Allegro und einmal von SAS-RiskAdvisory. Und am Ende dann noch ein Artikel über Emissionshandel. In der gegebenen Form war es aber etwas überflüssig.

Die Blöcke von Gary M. Vasey machen das Buch. Es ist klar, dass er Ahnung hat, und er hat bei mir dauerhaft kleine ‚AHA‘-Effekte ausgelöst. Dabei schreibt er gut. Das Block von Cal Payne war in der Form nicht so treffend. Er beschreibt einige ‚regulatorische‘ Änderungen (IAS 39, CCRO, S&P Umfrage) und auch was diese für Versorgungsunternehmen bedeuten. Das Thema vom Buch, ETRM-Software, kommt aber nicht zum Tragen. Das ist schade, ich habe gesehen, wie z.B. die Einführung von IAS 39 ganz viele Änderungen mit sich gebracht hat, die zum Teil ortogonal zu den bisherigen Anforderungen waren.

Von Vasey stammt auch den Tip, nicht unbedingt einen großen Lieferanten zu wählen. Erstens kann es sein, dass gerade einen kleinen Lieferanten genau deine Anforderungen erfüllt. Und zweitens muss ‚groß‘ nicht heissen, dass das Unternehmen mehr überlebenschancen hat. Er weiss das auch zu begründen.

Allegro’s CEO Eldon Klaassen weiss auch wovon er spricht. Interressant ist aber auch was fehlt. Für mich fehlt eine Abhandlung über Integrierbarkeit und Erweiterbarkeit der Software. Man kann solche schöne Lieder singen von Flexibilität, sich ändernde Anforderungen der Markt usw., aber irgendwann muss man auch sehen, dass man nie in der Lage ist, eine Software zu bauen, die heute, morgen und in 10 Jahren die Anforderungen der Kunden genügen. Also wären Schnittstellen wichtig. Die Möglichkeit, Standardverhalten der Software anzupassen. Oder, für die ganz Harten: die Software inklusive Quelltexten ausliefern? Ich bin aber neugierig geworden nach dieser Software.

Leigh Parkinson von SAS RiskAdvisory spricht die physische/logistische Seite des Geschäfts nicht an. Im Kontext des Buches ist das merkwürdig. Gary M. Vasey betont am Anfang schon, dass die Kür gerade im logistischen Bereich liegt. Meine erste Einschätzung wäre, dass das Unternehmen dann wohl nur die finanzielle Seite abbildet. Die Kundenliste sieht aber anders aus.

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