Massenmenschhaltung 2

Ich habe ‚Intensieve Menshouderij‘ von Jaap Peters und Judith Pouw in einem Wochenende zu Ende gelesen. Ein schönes Buch.

Die Autoren beschreiben, wie die Führung in Unternehmen immer mehr in den Händen MBAs (Masters of Business Administration) gerät, die kein fachliches Wissen mitbringen. Ein Pharma-Präsident kann ohne weiteres ein Anlagenbauer/Elektrokonzern führen. Die Sprache der MBAs durchdringt nicht nur die Führungsriegen der Konzerne, sondern auch die Chefetagen der Krankenhäuser, Ministerien usw. Die Beispiele zu der Utrechter Polizei sind lehrreich. (Und haarsträubend, indertat.) Von den 3 Ps, People, Planet und Profit, zählt nur das dritte P. Und auch nur bis zur nächsten Bonuszahlung.

Als Konsequenz entsteht eine Organisation mit folgenden Merkmalen:

  • Das natürliche System laugt aus. Mitarbeiter müssen motiviert werden, Targets gesetzt kriegen, ansonsten läuft nichts.
  • Die Ergebnisse hängen von externer Druck ab. Die Organisation verwendet Deadlines, Benchmarks, und Key Performance Indicators.
  • Nebeneffekte werden unterdruckt, geleugnet. Stress und Schwierigkeiten gibt es nicht, nur die Ergebnisse zählen. Jeder ist seines GlückesSchmied.
  • Die Organisation übt Raubbau aus. Die Kunden werden in (cash-)cows und dogs unterteilt, die Mitarbeiter verbrannt.
  • Die Qualität der Ergebnisse wird geringer. Normen werden erfüllt, was nicht genormt ist wird nicht gemacht. Wenn die Normen erfüllt sind, sind die Menschen es noch nicht, die Identifikation mit der Arbeit verschwindet, Leute fangen an, zu ‚jobhoppen‘.
  • Als Konsekwenz entstehen neue Probleme, die selbstverständlich mit den gleichen Mitteln behandelt werden.

Am Ende des Buches werden 3 Beispiele gegeben von Unternehmen, die ‚unheilbar gesund‘ organisiert sind. Die erste ist eine Bierbrauerei, die verwurzelt ist in der eigenen Gemeinschaft, und langsam switcht auf biologisch angebaute Rohstoffen. Die zweite ist der Weltmarktführer in Kalbsfleisch. und Nummer 3 eine Bank, der seine Wurzeln in der Verwaltung von Gewerkschaftsvermögen hat.

Die Reichtum an Beipiele macht das Buch sehr verdaulich. Der konsequente Vergleich zwischen moderne Unternehmensführung und Agroindustrie macht die Botschaft klar. Slow Management ist nur eine logische Schlussfolgerung.

(Und Agroindustrie, weil nicht nur die Massentierhaltung, sondern auch die berühmte ‚Tomaten aus Holland‘ einen Platz finden. Normgerecht produziert, aber ohne wirklichen Qualität.)

One Comment

  1. Posted 18 Oktober 2007 at 10:22 am | Permalink

    Ich denke, dass das nicht nur für Holland zutrifft. Hier ist es leider ganz genau so.Das wird so lange gehen, bis es kracht und die Business-Gurus werden eine neue Management-Methode aus dem Hut zaubern. Es st immer einfacher und unkritischer den Consultants zu folgen, anstatt selbst zu denken. Auch hat man dann immer einen Schuldigen zur Hand, wenn es schief geht und dieser Schuldge ist nicht im eigenen Unternehmen – eine bequeme Lösung. Hier müsste ein Paradigmenwechsel stattfinden.


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