Credit Crunch, die nächste Staffel

Financial Times Deutschland berichtet heute über einen Superfonds, dass den Kreditmarkt retten soll. Was da auch steht: die erste Fonds werden jetzt ‚abgewickelt‘.

Die Aktienmärkte schmieren heute weiter ab. Die Banken am meisten. Ich bin davon überzeugt, dass das Problem noch nicht aus gesessen ist. Da kann man nur zuschauen und staunen. Was hat die Märkte in den letzten Wochen nach oben getrieben? Es ist einfach zuviel Geld unterwegs?

8 Comments

  1. Posted 23 Oktober 2007 at 9:03 pm | Permalink

    Ich glaube, dass die Verknüpfung zwischen dem Geld, was unterwegs ist und der realen Wirtschaft nicht mehr gegeben ist. Die Geldströme sind abgekoppelt.
    Der Superfonds ist interessant; vor allem, wenn auch Hedgefonds gestützt werden sollen. Wenn es den Superfond nicht geben würde, wären dann bei einigen Bankproblemen Steuergelder der Rettungsanker?

  2. Posted 24 Oktober 2007 at 6:43 am | Permalink

    Uiui, ich wäre mir da nicht sicher. Die Zusammenhang ist wesentlich kleiner als in 1929, das glaube ich wohl. Aber wenn die Kredite teurerer werden, heisst das weniger Investitionen. Wenn Hedgefunds pleite gehen, geht so hier und da vielleicht einen Riesteranspruch verloren.

    Wenn die Banken einen Superfonds auflegen wollen, müssen sie das machen. Ich freue mich, dass die deutsche Banken nicht mitmachen. Denn: wer würde dafür zahlen? Wir mit unseren Bankgebühren.

    Steuergelder wäre aber wirklich das letzte. Mann soll doch nicht mit Steuergelder, die jeder bezahlen muss, auch wer kaum was hat, die Gelder ersetzen die Leute verzockt haben, weil sie sie übrig hatten?

    Jeder träumt von Traumrendite, aber alles was über Staatsanleihen ausgeht ist nun mal risikobehaftet. Jeder kann über die damit zusammenhängende Risiken nachdenken, und wer das nicht mag, kann es auch sein lassen. Und wenn das Geld weg ist ist es weg.

    Ich sehe keinen einzigen Grund, warum Hedgefunds gerettet werden müssen.

  3. Posted 24 Oktober 2007 at 12:47 pm | Permalink

    Mein Satz „Die Geldströme sind abgekoppelt.“ war so gemeint, dass diese Geldströme und die Entwicklungen am Geldmarkt nicht mehr durch die reale Wirtschaft begründet sind. Es ist zuviel Spekulation mit dem Geld, oft ohne wirtschaftlichen Background.
    Die Hedgefonds sollen auf keinen Fall gerettet werden, sind aber durch den Superfond auch erfasst, oder?
    Zu den Steuergeldern: wenn es zu noch größeren Problemen bei den Banken kommt, werden die Regierungen eingreifen, um noch schlimmeres zu verhindern. Dann mit Steuergeldern!

  4. Posted 24 Oktober 2007 at 1:49 pm | Permalink

    Ich verstehe schon, wie das gemeint war. Und kann es gut nachvollziehen. Das Problem ist, dass die Kupplung einfach schlecht nachzuvollziehen ist. Ich glaube nicht, dass irgendwem geahnt hat, dass der interbankäre Zinssatz von den CDSen abhängen würden. Da gab es eine unerwartete Verknüpfung.

    Ich finde die Trennung von ‚Geldmarkt‘ und ‚reale Wirtschaft‘ problematisch. Geldmarkt ist auch real und ist auch Wirtschaft.

    Diese Trennung von Wirtschaft und Realität ist schon länger Thema. Die Situationisten haben sich damit beschäftigt, zB in ‚Die Speltakelgesellschaft‘ von Guy Debord. ‚Unter dem Pflaster liegt der Strand‘ kommt ursprünglich auch aus der Ecke. (Raoul Vaneyghem, wenn ich mich richtig erinnere.) Baudrillard geht da noch weiter, und redet von einer ‚Hyperrealität‘. Die Märkte, das Wirtschaftliche, das Spektakel hätten ‚die Realität‘ schon längst völlig verdrängt. Ich finde das alles ganz spannend, aber bleibe dabei, das ‚Geldmarkt‘ und ‚reale Wirtschaft‘ gleich real sind 🙂

    Nicht alle Hedgefonds wären vom Superfonds erfasst, insofern ich es verstanden habe, nur die Fonds der Banken.

    Und wenn die Regierungen eingreifen, könnten wir uns auch mal hören lassen. Auf die Zentralbanken haben wir allerdings keinerlei Einfluss.

  5. Posted 24 Oktober 2007 at 5:35 pm | Permalink

    Geldmarkt und Wirtschaft sind beide real, aber ich glaube, das am Geldmarkt vieles reine Finanzspekulation ist, ohne dass es dazu im selben Zeitraum ein Korrelat in der Wirtschaft gibt. Später trifft sich das dann wieder.

  6. Posted 24 Oktober 2007 at 5:59 pm | Permalink

    Auch Spekulation fügt Wert hinzu. Weil es die Märkte ‚liquide‘ hält. Wenn man seine Aktien jederzeit verkaufen kann, ist es weniger Riskant, sie zu kaufen. Ich bin schon einverstanden, dass die Seiteneffekte manchmal schwer nachzuvollziehen sind. Aber ich halte es für irreführend, eine Trennung zwischen Spekulation und Wirtschaft zu machen.

    Wenn ich real Kohle auf Vorrat kaufe für ein Kraftwerk ist das erst mal ‚reale Wirtschaft‘. Trotzdem spekuliere ich dann schon, dass ich in der nächsten Zeit das Kraftwerk laufen lasse.

    Ich kann auch warten mit der realen Beschaffung, und Kohle kaufen wenn ich sie brauche. Dann spekuliere ich auf gleichbleibende Preise.

    Ich kann die Preise absichern mit einem Swap. Dazu brauch ich einen anderen, der spekuliert, oder auf eine andere Art interressiert ist, dieses Risiko zu übernehmen. Und ich brauche einen Markt, die auch erst liquide wird mit Spekulanten.

    Spekulation ist nicht schlecht, Spekulation ist eine Wette auf die eigene Überzeugung zu zukünftige Entwicklungen.

    Ein Schweinezyklus ist sehr real, und hängt auch mit dem Handeln nach Erwartungen zusammen. Und dann gibt es eben real billige oder sauteure Schinken. (Agrarprodukte werden auch immer populärer bei Hedgefonds…)

  7. Posted 25 Oktober 2007 at 5:49 am | Permalink

    Akzeptiert – aber noch folgendes Beispiel, welches viellecht verdeutlicht, was ich meine:
    Es werden viele Milliarden hin und her geschoben (und das sehr schnell, ohne längere Festlegung), weil es irgendwo etwas mehr Zinsen gibt oder weil Währungsverhältnisse einen schnellen Gewinn ermöglichen. Dieser Bereich hat sich aus meiner Sicht verselbständigt.

  8. Posted 25 Oktober 2007 at 7:37 pm | Permalink

    Das ist das Teil der Geldbewegungen, das Tobinbetaxt werden soll, oder? Wie selbständig ist das denn? Oder erfüllt es doch einen Sinn? Funktioniert die Wirtschaft vielleicht deshalb so ‚reibungslos‘, weil eben soviele Risiken in diesem Bereich abgepuffert werden?

    Das Geld ist nicht ohne Ziel unterwegs, Spekulation ist noch was anderes als ins Casino gehen. Spekulation heisst: Risiken übernehmen, weil man meint, dass man damit Geld verdienen kann. Die Gegenseite ist also: Geld bezahlen, aber damit die Risiken (manchmal vermeintlich) abgegeben haben. Das ergibt also auch in Ihre Augen einen volkswirtschaftlichen Sinn.

    Die bloße Herstellung von Liquidität kann man auch schon als ein volkswirtschaftliches Gewinn sehen. Jedenfalls sit das eine der ‚Commons‘, die Peter Barnes in sein ‚Capitalism 3.0‘ beschreibt.

    Ich weiss es letztendlich auch nicht, die Zusammenhänge sind aber nicht trivial und ich bin mir sicher, dass es weder eine Trennung nach ‚gut‘ und ‚böse‘ noch eine Trennung nach ‚reell‘ und ‚virtuell‘ gibt.

    (Reibungslos steht zwischen Anführungszeichen, weil ich glaube, dass wir uns einig sind, wo die Reibung tatsächlich stattfindet.)


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