Mindware 2

Ich habe ‘Mindware‘ von Andy Clark zu Ende gelesen. Am Ende kriegt das Buch noch mal eine ganz nette Wendung.

Andy Clark’s sagt, dass unser Bewusstsein nicht an der Haut aufhört. Wir verwenden unsere Finger, einen PC oder ein Zettel zum Rechnen, wir verwenden Skizzen, wenn wir etwas Malen wollen, wir verwenden Mindmaps etc. Ein ganz nettes Beispiel fand ich den geübten Barkeeper, der auch in einen lauten, vollen Bar die vielen Bestellungen bearbeiten konnte. Er hat bei der Bestellung schon die Gläser bereit gestellt. Bei der Befüllung der Gläser haben die verschieden geformte Gläser ihm geholfen. In einem Bar mit nur eine Art von Gläser war der Mann hoffnungslos überfordert.

Ein anderes Beispiel beschrieb Leute mit weit fortgeschrittenes Alzheimer, die sich zuhause so eingerichtet hatten, dass sie trotzdem erstaunlich viel geregelt kriegten. Was der Kopf nicht mehr schaffte, wurde in der Wohnungseinrichtung aufgenommen, z.B. als großes Schild auf dem Tisch.

Verallgemeinert sagt er, dass unser Geist, unser Bewusstsein erst mit Utensilien ausserhalb unser Körper zu seinen besten Leistungen kommt. Das kann Penn und Papier, PC oder eine Reihe Gläser sein. Das können aber auch Worte sein.

Was mich immer noch erstaunt, wie es mich erstaunt hat nach ‘Neither Brain Nor Ghost von W. Teed Rockwell’ und eigentlich auch schon nach  ‘Being There von Andy Clark‘, ist das festhalten am Individuum. Wenn wir Stift und Papier des Künstlers als ‚Verlängerung‘ seines Bewusstseins sehen, wieso dann nicht sein Gegenüber im Gespräch. ‚Ich‘ und ‚Du‘ sind zusammen viel mehr als getrennt. Das braucht nicht nur in Zusammenarbeit zu sein. Auch Wettbewerb kann sehr fruchtbar sein.

Ich bin mir sehr sicher, dass man diese Gedanke weiterführen muss. Und dass es letztendlich keinen wissenschaftlichen Grund gibt, ‚ich‘ und ‚du‘ zu trennen, und damit zum Beispiel keinen Grund für den aktuellen extremen Schutz des ‚Intellectual Property‘.

Ich muss den Herrn Clark mal schreiben.

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5 Comments

  1. Posted 28 Oktober 2007 at 9:37 pm | Permalink

    Zum Schutz des ‚Intellectual Property‘ – es gibt eine Meinung, die – wenn ich mich recht erinnere – wie folgt lautet: Wenn ich etwas abgeben kann, ohne dass ich anschließend weniger habe, dann soll ich das machen. Das trifft doch auf Intellectual Property zu. Zumindest wird mein Wissen nicht geringer, wenn ich es anderen mitteile.
    Natürlich hat es wirtschaftliche Auswirkungen, kann es wirtschaftliche Auswirkungen für mich haben. Aber das trifft nicht für ‚Intellectual Property‘ insgesamt zu, oder?

  2. Posted 28 Oktober 2007 at 10:33 pm | Permalink

    Ich verstehe die Frage nicht ganz. Ist die Frage, was ‚Intellectual Property‘ (IP) genau ist, oder ist die Frage, ob man es abgeben kann?

    Sicherheitshalber gebe ich erst mal eine Abgrenzung: IP ist alles, was mit Copyrights, Marken-, Lizenz- oder Patentrechte geschützt werden kann. Bücher, Lieder, Software, Farben, Genen, usw.

    Normalerweise ‚haben‘ wir solche Rechte, wenn wir sie angemeldet und die Registrierung bezahlt haben – wenn uns niemand in die Suppe spuckt.

    Ich stelle im filosofischen Sinne die Frage, ob wir etwas haben können, was aus ein ‚kollektives Wissen‘ entstanden ist. IP wird immer damit legitimiert, dass jemand für die eigene Leistung bezahlt werden muss. Aber wenn diese eigene Leistung auf eine gemeinsame Leistung aufbaut, wie soll das denn gehen?

    Ich glaube eher, dass es Sinn macht, IP einzugrenzen. Der Mensch ist geboren, um nachzuahmen, das ist es, was uns von den Tieren unterscheidet. Und ich teile gerne, was mir sowieso nicht gehört. Und für mich ist die Frage, wie ich etwas besitzen kann, was eigentlich das Produkt von vieler Leuten Kreativität ist.

  3. Posted 29 Oktober 2007 at 6:58 am | Permalink

    Die Frage bezog sich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen für den, der ‚Intellectual Property‘ abgibt. Das ist das, was Du mit Lizenzen, Patente etc. bezeichnest.
    Wenn man so wie Du den Kreis sehr weit zieht (‚im filosofischen Sinne‘), dann wird der Schutz von ‚Intellectual Property‘ wohl obsolet. Da kommt ins Spiel, dass unser Leben generell auf monetärer Basis steht. Wenn der homo eoconomicus der Dominierende ist, dann wird eben alles dementsprechend behandelt.

  4. Posted 29 Oktober 2007 at 7:35 am | Permalink

    Ich setze auf den ‚homo ludens‘. Es flutscht immer am Besten, wenn man Spaß an der Sache hat.

    Der ‚homo oeconomicus‘ ist nur ein Bild für bestimmte Wirtschaftswissenschaftler, die anders die eigenen Modellen nicht mehr verstehen (können).

  5. Posted 29 Oktober 2007 at 8:22 am | Permalink

    I agree 🙂


One Trackback

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