Mal wieder nachgedacht 2

Ich habe noch weiter nachgedacht über meinen Beitrag zum Benchmarking in der letzten Woche.

Mein Statement war: fürs Klima ist es egal, ob die Braunkohlekraftwerke jetzt gleich viel oder mehr Zertifikate kriegen als die Gaskraftwerke. Letztendlich ist es wichtig, wie sie eingesetzt werden. Dazu habe ich einen schönen Grafik gemalt:

Green Spreads (Und was sagt diesen schönen Grafik aus??)

Ich habe keine Zahlen, und darum geht es auch nicht . Ich zeige hier den Bezug zwischen Brennstoffpreise, Emissionspreise und Strompreise. Strom aus Kohle ist billiger als Strom aus Gas. Das ist ganz klar, wenn man die Emissionen nicht betrachtet. Aber es ist auch noch so, wenn man die Emissionen in die Betrachtung miteinbezieht.

Wenn man genau hinguckt, gibt es in diesem Zusammenhang zwei Wege aus der CO2-Klemme (wenn wir die Carbon Capture and Storage Techniken nicht wollen). Ein Weg wäre die Erhöhung der Kohlepreise. Das haben wir hier nicht in der Hand. Der zweite Weg wäre die Erhöhung der CO2-Preise. Das haben wir in der Hand. Es gibt da zwei Faktoren: der Cap, die maximale Menge CO2, die mit EU-Zertifikate abgedeckt werden kann, und die Menge, die mit Zertifikate aus anderen Kyoto-Mechanismen abgedeckt werden kann. In der ersten Periode konnten Unternehmen 12% deren Emissionen mit diesen zusätzlichen Zertifikaten abdecken, in der kommenden Periode wird das auf 22% aufgestockt. Das macht die Chance, dass die Zertifikate teuer werden, kleiner.

Demnächst ist die Konferenz auf Bali. Das IPCC hat gerade die Zusammenfassung für Entscheidungsträger der Synthese der Arbeit des letzten Jahres publiziert. Die Tendenz geht in der Richtung eines globalen Emissionshandelssystems. Jetzt wird es richtig spannend:

Nehmen wir an, dass ein globales Handelssystem zustande kommt. Nehmen wir auch mal an, dass die Caps endlich vernünftig gesetzt werden. (Ich bleibe optimistisch.) Dann könnte es sein, dass es teurerer wird, Steinkohle zu verstromen. Da Steinkohle aber hauptsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt wird, würde die Nachfrage geringer werden, und würden die Preise fallen. Damit wären wir wieder bei A.

Meine Frage lautet also: kann es sein, dass das Cap-and-Trade-System die Verwendung fossiler Brennstoffe zementiert? Zum Beispiel durch das oben beschriebene Mechanismus. Aber auch, weil der Ausbau erneuerbarer Energiequellen wieder eine Verbilligung der Emissions-Zertifikate nach sich ziehen?

Diese Frage muss man sich stellen bevor in Bali neue Entscheidungen gefällt werden. Ich suche jetzt hinweise auf entsprechender Literatur.

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2 Comments

  1. Posted 20 November 2007 at 8:13 am | Permalink

    Leider verstehe ich zu wenig von den Mechanismen des CO²-Handels, aber wenn das Ergebnis so ist, wie Du es beschrieben hast, dann bestätigt des meine Skepsis diesem System gegenüber. Eine Steuerungsfunktion hin zu klimafreundlichen Energien wird damit anscheinend nicht erreicht.
    Wäre es besser, wenn die CO²-Zertifikatpreise mit den Preisen für den Energieträger korrelieren bzw. sollte es so sein, das bei fallenden Presen mehr Zertifikate gekauft werden müssen? Aber wahrscheinlich ist dies zu kompliziert.

  2. Posted 20 November 2007 at 6:38 pm | Permalink

    Die Emissionshandel steuert nicht. (Ich würde eher sagen, dass ein erfolgreiche Steuerung Richtung klimafreundlichen Energien die Kohleverstromung attraktiver machen..)

    Das System könnte ein gutes Mittel sein um die Emissionen zurückzudrängeln, wenn die Obergrenzen radikal gesetzt werden und
    Emissionen tatsächlich im Inland, oder innerhalb der EU, reduziert werden müssen. Ansonsten ist es eine effiziente Geldverteilmaschine. Irgendwem zahlt drauf, und irgendwem verdient.

    Es ist schade, dass die NGOs und die Grünen noch so festklammern an die Illusionen von gestern. Um so mehr in der Perspektive der kommenden Konferenz auf Bali. (Ein globales Handelssystem ist viel schlechter zu kontrollieren als ein europäisches.)

    Wir beschweren uns ganz gerne über die Amis. Fakt ist aber, dass wir Ja zu Kyoto gesagt haben, und uns jetzt so organisieren, dass wir trotzdem nix reduzieren, während die Amis gerechnet haben. Sie haben gesagt: wenn wir wirklich reduzieren, hat das Konsekwenzen, die wir unserer Bevölkerung nicht verkaufen können. Der Unterschied ist nicht so groß.

    meiner Meinung nach gibt es keinen Weg zur Emissionsreduktion, die alle bestehenden Interressen berücksichtigt.


One Trackback

  1. […] eine sehr skeptische Meinung; das ist für mich nahe dem Ablasshandel! Das dies andere, wie z.B. steunenberg, auch sehr kritisch sehen, bestärkt mich in meiner […]

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