Grenzen an Privacy

Heute morgen bin ich auf die ‚DNA Ancestry‘ Seite gestoßen. Die Seite ein Service von ‚Genebase‘, und bietet Dir die Möglichkeit, dein DNA einzusenden, und zu schauen, mit wem Du genetisch ‚zusammenhängst‘.

Ich habe die AGBs gelesen. Ich finde keinerlei Hinweis, dass meine Daten ausschließlich für den Stammbaum verwendet werden. (Ich kann es mir auch kaum vorstellen. Das Material ist viel zu interessant.)

Selbstverständlich werden doch Leute mitmachen, ist ja auch ein tolles Tool. Und jeder ist selbst verantwortlich, wie er mit seinen Daten umgeht. Oder doch nicht..?

Mein genetisches Material ist nicht nur meins! Wenn ein Namensvetter in der USA, Urenkel des Governors Frank Steunenberg, sein DNA einschickt, schickt er wahrscheinlich auch mein DNA ein! Das verletzt auch meine Rechte, würde ich mal sagen.

(Vielleicht ist es auch nicht mein DNA, und soll einer meiner Vorfahren auf die Liste der uneheliche Oranje-Kinder auftauchen..) (Auch eine furchtbare Verletzung von Persönlichkeitsrechte eigentlich.)

Weitere Gedanken dazu, teils inspiriert durch rezente Lektüre, kamen, als ich den ‚Case Study‚ las: Wieso so ein Interesse an der männliche Linie? Herr Brown sucht über sein Y-Chromosom, und knüpft ein patrilineares Netz. Sollten Frauen hier misstrauisch werden? Für die matrilineare Abstammung gibt es nur das Standard Paket, für die patrilineare Abstammung gibt es Standard und Advanced. (Es kann auch sein, dass sowieso nur Männer ein ‚Advanced‘ Paket kaufen. Oder aber, dass ‚Genebase‘ nicht in der Lage ist, den Frauen mehr zu bieten. Das ist sogar wahrscheinlicher als eine patriarchale Verschwörung. Vielleicht ist so das Patriarchat sogar entstanden: eher aus versehen.)

Aber Respekt: Mr. Brown rennt sofort los, um seinen Großonkel zu testen. Nachher testet er auch noch Verwandschaft in Deutschland. Also: Mr. Brown bezahlt insgesamt 12 × 199$ (minimal) um die Firma ‚Genebase‘ Daten zu schenken über sich und seine Verwandschaft, die die Firma ‚Genebase‘ danach weiter vermarkten kann, über ‚DNA Ancestry‘ und wer weiß wo noch mehr. Eigentlich ein toller Geschäftsidee.

    Gab es nicht irgendwo in Salt Lake City so einen Riesendatenbank in Papier? Wo Daten aus vielen Bevölkerungsregister zusammengetragen waren? Falls ich es mich richtig erinnere: ist dieser Datenbank auch schon online?

    2 Comments

    1. Posted 16 März 2008 at 4:34 pm | Permalink

      Hallo Johann!

      Interessante Sichtweise …
      Wenn ich diese auch nicht ganz teilen kann. Selber bin ich schon Jahre bei der Ahnenforschung und habe mich seid ca. 6 Monaten jetzt mit DNA-Genealogie beschäftigt.

      Es nicht alles Gold was glänz – schon klar, aber generell schwarze Schafe sind es auch nicht. Der Preis ist schon relativ, wenn man bedenkt, was andere für Ihre Hobbys ausgeben – wohl zu verknusen.

      Hier meine Blogeinträge speziell zur DNA-Genealogie
      http://www.kracke.org/blog/?cat=13

      Gruß Timo!

    2. Posted 17 März 2008 at 10:22 am | Permalink

      Moin Timo,

      Ganderkesee ist nicht weit weg. Was kannst du nicht genau teilen? Ich verstehe schon, dass es interessant ist für dich (nachdem ich deinen Blog gesehen habe). Und ich habe auch keine Schwierigkeiten mit der wirtschaftlichen Dimension, obwohl ich Mr. Brown in seiner Case Study doch ausgesprochen naiv fand. Da fand ich einige Beispiele auf deine Seite ausgewogener.

      Mein Problem liegt in der Privacy-Frage. Welche Informationen gehören wem. Holländer denken in solchen Zusammenhänge oft zurück an dem 2. Weltkrieg, wo das Bevölkerungs-Register es dem Besatzer möglich gemacht hat, viele Juden abzutransportieren.

      Diese genetischen Informationen sind an einigen Stellen verwertbar. Ich sehe sofort die Möglichkeit, diese öffentlich zugänglichen genetischen Informationen mit einem Datenbank mit Erbkrankheiten zu verknüpfen und Versicherungsprämien dynamischer zu gestalten. (Schritt 2: wer nicht registriert ist bezahlt sowieso ein Aufgeld.)

      Und ich bin sicher, dass der Profi noch mehr Möglichkeiten sieht.


    Einen Kommentar schreiben

    Required fields are marked *

    *
    *

    %d Bloggern gefällt das: