Energie sparen und der Markt.

Ich lese gerade die IEA Studie zum Principal Agent Problem ‚Mind the Gap‘. (Ich habe den also jetzt bekommen.)

Eigentlich ist es eine ganze Suite von Studien, aus den Niederlanden, Japan, Australien, Norwegen und den USA. jede Studie versucht, den Einfluss des Principal-Agent-Problem in Zahlen zu fangen. Kurz zu erläuterung: ein PA-Problem besteht dann, wenn gegenseitige Interessen bestehen zwischen Benutzer einer Anwendung, Bezahler der Energierechnung und Bezahler der Anschaffungskosten. Dabei gibt es verschiedene Konstellationen:

Benutzer wählt die Anwendung Benutzer wählt die Anwendung nicht
Benutzer bezahlt Energie Keine PA-probleme PA-Effizienzproblem
Benutzer bezahlt Energie nicht PA-Effizienz- und -Anwendungsproblem PA-Anwendungsproblem

Ein PA-Effiziensproblem liegt da vor, wo jemand eine weniger effiziente Anwendung käuft, weil eine effizientere Anwendung ihm keine Vorteile bringt, weil er die Energierechnung nicht bezahlen musst. Der Vermieter, der die Heizung bezahlt, aber nicht den Energieverbrauch, ist hier das typische beispiel.
Ein PA-Anwendungsproblem gibt es, wenn jemand die Kosten für den eigenen Verbrauch nicht tagen muss. Im Hotel schön ausgiebig duschen und baden, am liebsten 2x am Tag, und zwischendurch in die Sauna, am liebsten wenn keine andere Gäste da sind, wäre ein Beispiel.

Das Buch ist schön gestaltet, angenehm geschrieben, und öffnet einem die Augen für viele Aspekte der Ineffizienz. Die Empfehlungen an der Politik sind zum Teil auch aufschlussreich. Aber langsam sickert zu mir durch, dass die PA-Theorie nicht notwendig ist. Die PA-Theorie ist notwendig, um den Glauben an der Selbstregulierung des Marktes nicht anzugreifen.

Am Anfang des Buches habe ich mich einfach weggeschmissen. Da werden PA-Probleme im breiteren Rahmen des Marktversagens besprochen. Ein Marktversagen liegt laut Definition der Autoren vor, wenn der Markt nicht effizient ist, und der Markt ist effizient, wenn:

  1. soviele Marktteilnehmer vorhanden sind, dass niemand glaubt, dass er einen Einfluss auf den Preis hat,
  2. alle Marktteilnehmer perfekte Informationen haben,
  3. es keine Schwellen gibt, in den Markt einzusteigen oder sie zu verlassen,
  4. die Marktteilnehmer streng rational den Gewinn maximalisieren und
  5. es keine Transaktionskosten und kein Zeitverzug bei den Transaktionen gibt.

In der Situation sei ein perfekter Wettbewerb vorhanden. Aber 😀

  1. welche Märkte sind das?
  2. wann gibt es schon perfekte Informationen?
  3. man muss immer (sowohl menschlich als finanziell) investieren.
  4. das ‚rational‘ ist mit Herbert Simons Theorie der ‚Bounded Rationality‘ abgehandelt und
  5. Transaktionskosten sind immer vorhanden. Sei es nur, dass die Fixkosten gleich bleiben, ob man nun 10 oder 10000 Kisten Bier bestellt.

Ein Marktversagen ist in dieser Zusammenhang eine Situation, wo trotz perfektem Wettbewerb noch immer der vorhergesagte selig machende Markteffizienz nicht eintritt. (Das Buch benennt neben das PA-Problem auch die Tragik der Almende und das Trittbrettfahrer-Problem. ‚Rent Seeking behaviour‘ habe ich noch nicht gesehen.

Weiter im Buch gibt es dann die Japaner, die einfach immer höhere Energieeffizienzanforderungen verordnet haben, und die Norweger, die in 2003 plötzlich in einer Krisensituation zu Energiesparmeister wurden, ganz und gar nicht-marktgerecht, und die Holländer, die einfach effiziente Gebäude per Gesetz verpflichten. Kurz gesagt: Ordnungspolitik ist eine gute Methode um Effizienz zu kriegen. Verantwortungsbewusstsein in einer Krisensituation auch. Braucht man dafür wirklich die Theorie des PA-Problems?

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  1. […] sparen und der Markt 2 Ich habe ‘Mind the Gap’ jetzt zu Ende gelesen. Und ich bleibe dabei, dass das Buch eher politische als wissenschaftliche Zwecke […]

  2. […] Wenn es Geld bringt, warum machen es nicht alle?’ Es sind 3 Seiten anstatt 200 Seiten ‘Mind the Gap’, und […]

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