Wo sich die Katze überall in den Schwanz beißt.

In der letzten Ausgabe der Economist gab es einen interessanten Artikel zu ‚Helicobacter pylori‘. Das ist die Bakterie, die Magengeschwüre und Magenkrebs verursacht. (Bei meinem Opa habe ich immer den Kautaback im Verdacht gehabt.) H. pylori verschwindet immer mehr. Damit verschwinden auch Magengeschwür und Magenkrebs.

Leider, Magengeschwür und Magenkrebs sind ein Zeichen, dass der Magen des Wirtes zu sauer ist:

Dr Blaser has discovered, for example, that H. pylori helps to regulate stomach-acid levels in a way that is usually helpful to both itself and its host. If the human side of the loop gets too strong, and the stomach becomes too acid, the bug may produce a substance called cag. The intended effect of this, Dr Blaser thinks, is to say “turn down the acid level”. However, cag also has a side-effect. It is toxic to the stomach lining, and it is this toxicity that provokes the ulcers and cancers for which H. pylori is notorious.

Sprich: die Folgen werden bekämpft, die Ursachen nicht.  Das hat verschiedene Folgen:

  1. Die Übersäuerung kleckert in der Speiseröhre, die das nicht ab kann, und löst da Krebs aus.
  2. H. pylori macht das Immunsystem robuster. Dadurch wird die Chance auf Asthma wesentlich geringer.
  3. H. pylori beeinflusst 2 Hormone, die den Appetit regulieren. Das kann Fettleibigkeit fördern.

Hier ist das ursprüngliche Artikel von Chen und Blaser.

Ein zweiter Artikel über Exportbeschränkungen und Raumfahrt hatte folgendes Zitat:

Pierre Chao, a senior associate at the Centre for Strategic and International Studies (CSIS), a think-tank in Washington, DC, says that as soon as satellites were put on the munitions list “the little screw and the commodity wiring became a munition”. Furthermore, anything modified for a munition is a munition. This clause, he says, captures all the little “doodads”. In fact, he explains, it’s the extremely sophisticated “part X” that you want to keep out of the enemy’s hands, not the whole box. “You are using an extremely blunt instrument for sophisticated policy needs.”

You may think that is the price of security, but Lon Rains, the editor of Space News, says that ITAR has “sped up the inevitable proliferation of advanced technology, by forcing other countries to find other means of obtaining satellite components that had previously been manufactured only in the United States.”

Du machst was, und die Konsequenz ist genau das Gegenteil von was du willst. Das sind systemische Effekte.

Hier ist noch ein Beispiel von nicht-systemisch-Denken. Der Jörg Haas steht auf dem Standpunkt, dass die Klimaänderung die größte Bedrohung ist. Als Konsequenz ist alles vertretbar, dass die Klimaänderung aufzuhalten scheint. WWF argumentiert auch so. Deren Rapport ‚Bioelectricity Vision: Achieving 15% of Electricity from Biomass in OECD Countries by 2020‘ bespricht die Machbarkeit vom Ziel, aber nicht die ökologischen Konsequenzen. Zuckerrohr propagieren und das Abholzen der Amazonas beweinen. Holzpellets verheizen wollen und gleichzeitig das verschwinden der gemäßigten Regenwälder in Canada beweinen. Überspitzt gesagt: dann fahren wir eben rückwärts in den Abgrund.

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2 Comments

  1. Posted 25 August 2008 at 10:06 am | Permalink

    „Rückwärts in den Abgrund“ – ein treffendes Bild!


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