Yunus: Marktwirtschaft gegen Armut

Ich habe heute Peter Spiegels ‚Muhammad Yunus – Banker der Armen‚ gelesen.

Ich frage mich gerade, wie es den Grameen Bank wohl gerade geht. Vor mehr als einem Jahr war ein Artikel im PRMIA Blog, dass die Mikrokreditwelt erstaunlich gut mit der Krise umging. Aber dann ging es der Deutschen Bank auch noch ganz gut.

Es ist das erste Mal, dass ich etwas mehr zu Yunus Ideeen gelesen habe. Ich finde sie schon sehr inspirierend. Erst schon die ‚Sicherheiten‘ die die Grameen Bank fragt. Ganz anders als unsere Banken ist die Grameen Bank damit beschäftigt, Sicherheiten im Verhalten der Menschen zu finden.

  • Der Überlebenswillen ist eine Sicherheit
  • Frauen sind sichere Kreditnehmer, weil sie die Verantwortung für die Kinder tragen
  • Kreditaufnahme im Team ist sicherer, weil man sich gegenseitig unterstützt.
  • Transparenz und Vertrauen – alles ist offen, es gibt keine Schalter, keine Geheime, alle können alles sehen.
  • Einfachkei: es gibt ganz klare Regeln und Strukturen, die alle verstehen.
  • Vielfalt
  • Ethik
  • Konsequenz: Insolvenz gibt es nicht. Alles wird zurückbezahlt.

Es ist selbstverständlich spannend, wie man diese Prinzipien auf unsere Geschäftsbeziehungen übertragen kann.

Was mich am Meisten angesprochen hat ist das Wissen, dass auch die Ärmsten der Armen selber am Besten wissen was gut ist – wenn man sie die Möglichkeiten gibt. Yunus Hauptziel ist es, die Menschen aus der Abhängigkeit zu holen, denn die Abhängigkeit verhindert, dass man aus der Armutsfalle entkommt.

Als ich vor 20 Jahre zurückkam habe ich mich vorgenommen, nie wieder von Sozialhilfe zu leben. Für den Berater, der ich jetzt bin, ist das ein komfortabeler Standpunt – ich habe aber in den ersten Jahren in Deutschland keine Steuern bezahlt, weil ich einfach dämlich wenig verdient habe mit unseren Holzregalen. Ich wollte das aber nicht mehr, weil ich in Nicaragua gesehen hatte, wie lebendig alles wird, wenn man sich nicht von der staatlichen Unterstützung abhängig macht. Mein Standpunkt damals war, dass die gefestigte Kräfte – Staat, Unternehmer, Gewerkschaften – sich damit Ruhe kaufen. Wer keine neue Wege suchen muss, der sucht sie auch nicht so schnell.

Ich habe jetzt schon länger nicht darüber nachgedacht und würde mein Standpunkt gerade nicht wissen. Es passt zu was Peter Spiegel schreibt, aber was bedeutet das für die Sonderschüler, die jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt kommen? Selbstverständlich würde es Sinn machen, wenn sie das eigene Schicksal in den Händen nehmen. Geht das auch in Deutschland? Weiter hinten im Buch steht, dass es hier in Deutschland besonders schwierig ist und die GLS-Bank seit langem kämpft, dass es hier auch für die Ärmsten niedriger Hürden gibt. Da muss ich Kollega Stefan mal fragen, der war da ganz lange.

Der Gemeinschaftsaspekt interessiert mich auch sehr. Ich weiss von dem Holländischen Triodos-Bank (GLS in orange), dass sie Darlehen vergab wenn jemand ausreichend Bürgschaften von Personen aus dem eigenen Umfeld beschaffen konnte. Die Gründe waren

  1. dass man mit seiner Geschäftsidee in die Gemeinschaft gehen musste und
  2. die Idee Unterstützung fand im Umfeld der Kreditnehmer.

So ganz prinzipiell wäre meine Frage, ob es bei uns ausreichend Gemeinschaft gibt. Aber sie kann auch gerade durch solche Bedingungen und Prozesse wieder gefördert werden. Dabei muss ich auch an den heilpädagogischen Schulzweig unserer Waldorfschule denken. Hier haben die Eltern sich lange Gedanken gemacht, wie das mit den Kindern weitergehen soll, nachdem sie so lange in einer tollen Schule waren. Jetzt sind einige wirtchaftliche Projekte zustande gekommen, die in dem Waldorfumfeld gut funktionieren. Ich finde es gut aber vielleicht geht es noch besser.

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