Die TAZ macht viel Wind

Staatsmilliarden richtig anlegen: Mit Öko aus der Krise, kopft die TAZ, überlegt sich, was man Gutes tun kann mit 50.000.000.000 Euro. Speziell den Abschnitt ‚Viel Wind machen!‘ hat mich aus zwei Gründen gestört. Aus zwei Gründen.

Die Windmüller leiden nämlich insbesondere an den Küsten an mangelhafter Netzinfrastruktur. Immer wieder kommt es vor, dass bei gutem Wind die Räder stillstehen. Die Netze müssen also ausgebaut und die dezentrale Natur der künftigen Stromerzeugung in Blockheiz- und Erdwärmekraftwerken, Solaranlagen und Windrädern angepasst werden.

Das Problem ist aber nicht, dass das Netz nicht ausgebaut ist. Das Problem ist, dass die Bayern und Baden-Würtemberger keine Windparks haben wollen. Wie man auch im Süden der Republik Windstrom erzeugen kann, zeigt die JuWi-Gruppe in Rheinland-Pfalz. Das problem entsteht auch nicht nur durch Windstrom: Boris Palmer und sein SüdWestStrom bauen ein Kohlekraftwerk an der Elbe. Weil wir alle die Netzentgelte bezahlen, ist das für Südweststrom billiger als wenn sie das Kraftwerk im Südwesten bauen würden. Selbstverständlich kann dann noch weniger Windstrom Richtung Tübingen transportiert werden…

Der Stromtransport über große Abstände bringt weiter große Verluste mit sich. Und der Netzausbau wird sich in unseren Netzentgelte merkbar machen.

Am besten nehmen wir den Netzbetreibern einfach das Netz weg, da sie in dieser Hinsicht völlig versagt haben. Dafür reicht ein Euro, denn das Netz ist ohnehin veraltet, nachdem in den letzten Jahren dutzende Milliarden an Gewinnen herausgezogen wurden. Aber die neue Netzgesellschaft, am besten nach dänischem Vorbild gemeinnützig und in öffentlicher Hand, muss mit Kapital ausgestattet werden. Ein paar Milliarden Euro sollten es schon sein.

Die Anforderungen an das Netz sind auch Thema bei E-Energy. In allen Projekten sind die traditionellen Netzbetreiber vertreten, und die bringen viel kreativere Lösungen ein als der Herr Martens. So auch die BDI in einer rezenten Studie. Und ich bin wahrlich keinen Freund der BDI.

Es wäre Schade, wenn die Hohlhuperei des Herrn Martens ernster genommen würde als die Arbeit der Netzbetreiber. Ich will nicht sagen, dass die Netzbetreiber alles richtig machen; es ist eine sehr technokratische Sparte mit den dazugehörigen Konsequenzen. Sie wissen aber wovon sie reden und sie bewegen sich innerhalb ziemlich engen gesetzlichen Grenzen.

Der Artikel zeigt mir zuwenig Verständnis des Problems.

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2 Comments

  1. Wolfgang Müller
    Posted 20 April 2009 at 10:24 am | Permalink

    Hallo Herr Steunenberg,

    Interessant: Sie sehen nicht als Problem, dass das Netz nicht ausgebaut ist. Wie stehen Sie denn zum „Smart Grid“?
    vielleicht haben sie Lust das Thema hier
    http://www.wir-klimaretter.de/component/option,com_fireboard/Itemid,327/
    nochmal anzusprechen (und evtl. auf Ihren Eintrag hier hinzuweisen). Denn der Germanwatch-Geschäftsführer meint:
    „Wer den dezentralen Erzeugungsformen zum Durchbruch verhelfen will, der muss jetzt den Umstieg auf ein intelligentes Netz organisieren.
    „Smart Grid“ ist hier das Schlüsselwort. Es geht um die intelligente Abstimmung von dezentralen Stromerzeugern und Verbrauchern, die am gemeinsamen Netz angeschlossen sind. So kann gelingen, dass dann am meisten Strom verbraucht wird, wenn der Wind am
    heftigsten bläst. Das Netz sendet bei heftigem Wind automatisch ein Signal an den Kunden: Jetzt ist der Strom kostengünstiger. Und automatisch springt ein Teil der Geräte an, bei denen es unerheblich ist, wann diese innerhalb der nächsten Stunden laufen. […]“
    http://www.wir-klimaretter.de/content/view/2551/275/

    • Posted 20 April 2009 at 11:02 am | Permalink

      Genau, Herr Müller, überspitzt gesagt sehe ich nicht als Problem, dass das Netz nicht groß genug ist. Ich sehe als Problem, dass der Strom nicht da erzeugt wird, wo sie benutzt wird. Ich würde dabei auch gerne auf folgender Unternehmensgrün-Posotionspapier verweisen: Potentialabschätzung. 100% Strom aus Erneuerbaren Energien in der Metropolregion Rhein-Neckar bis 2030′

      Smart Grid ist kein Schlüsselwort sondern Projektionsfläche. Selbstverständlich gibt es auch ein Netz, dass weiterentwickelt und klüger gemacht werden muss, aber genau nicht, wie sie es gerade beschreiben. Zitat

      Das Netz sendet bei heftigem Wind automatisch ein Signal an den Kunden: Jetzt ist der Strom kostengünstiger. Und automatisch springt ein Teil der Geräte an, bei denen es unerheblich ist, wann diese innerhalb der nächsten Stunden laufen.

      1) Wenn das Netz Signale an Kunden sendet, dass sie Strom verbrauchen, wer bezahlt dann den extra Stromverbrauch?
      2) Das Netz weiss gar nicht, ob Strom günstig ist. Das ist Vertriebssache. Wir leben in einen ‚unbundled‘ Welt. Das Netz kann und darf das nicht wissen.
      3) Wenn es unerheblich ist, das Geräte in den nächsten Stunden laufen, hört sich das nach Stromverschwendung an. Das ist in sich sinnlos und verstoßt gegen EU-Recht

      Die erneuerbaren Energien werden nicht ausgebaut in einer statischen Welt. Wie Sie hätten lesen können, nutzt der Netzausbau auch oder vielleicht noch mehr alle neuen Kohlekraftwerksprojekte an der Küste. So nutzt das ‚Smart Grid‘ in seiner populistischen Form auch oder vielleicht noch mehr die Grundlastkraftwerke – wollen wir wirklich den Weg frei machen für weitere Braunkohle- oder Kernkraftwerke?

      Nochmals das gleiche Zitat:

      Das Netz sendet bei heftigem Wind automatisch ein Signal an den Kunden: Jetzt ist der Strom kostengünstiger. Und automatisch springt ein Teil der Geräte an, bei denen es unerheblich ist, wann diese innerhalb der nächsten Stunden laufen.

      Ich sag nur: Nachtspeicherofen. Das Problem ist nicht neu. Der Last ist nie perfekt auf die Erzeugung abgestimmt gewesen.

      Mein größte Problem in diesem Kontext ist, dass viele Klimabetroffenen eine einfache Lösung suchen für ein vertracktes Problem. Vielleicht melde ich mich bei den Klimarettern, ansonsten könnten Sie auch hierhin verlinken. Ich habe bei den Klimarettern geschaut aber keinen passenden Thread zum Artikel gefunden. Und ich habe schon gar keine Lust, mich mit anonymen klimaskeptischen Trollen auseinanderzusetzen. Auseinandersetzung mit Klimaskeptiker sind OK bei Xing oder an einer anderen Stelle, wo man sich zeigt. Sie können aber gerne auf diesen Artikel verlinken.
      Wenn Sie im Nordwesten zuhause sind könnten wir auch mal ein Bierchen trinken. Kommen Sie zu dem kommenden BuKo-Kongress? Das wäre doch der Platz!


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