Emissionshandel auf dem BUKO 32

Vorgestern und gestern war ich dann auf dem BUKO 32 in Lüneburg. Ich hatte einen Vortrag zum Thema ‚Das vorprogrammierte Scheitern des Emissionshandels‘ vorbereitet, aber es wurde mehr eine Diskussionsrunde.

Ich bin nicht zufrieden mit mir. Ich wollte zuviel und es wurde zuwenig. Im nachhinein frage ich mich, ob eine faktische Einführung sinnvoller gewesen wäre. Auch ist es mir nicht gelungen, den meist kritischen Workshopbesucher klar zu machen, dass Emissionshandel an sich eine Sackgasse ist. Schade.

Mir ging es viel besser als auf den McPlanet vor 2 Jahren. Ich bin inspiriert zurückgekommen. Am Anfang des Jahres habe ich mich noch sehr gefragt, wie ich vielleicht noch sinnvoller aktiv sein kann als in meine Arbeit. Im Moment bin ich auch sehr zufrieden in dem Projekt, aber ich will jetzt wieder politischer werden.

Das Problem mit dem Emissionshandel, dass ich hier ansprechen wollte, ist, das es wirtschaftwissenschaftlicher Unfug ist.

Was mich in Grunde genommen an der Emissionshandel stört, ist das ‚wir‘, die Gesellschaft, das Recht auf ‚Verschmutzung‘ abtreten. Wir verschenken oder versteigern es und damit treten wir unsere Rechte ab. Der Markt macht es, die Luft ist zu besitz gemacht. Und wenn wir über Senken-Projekte (CDM oder freiwillige Zertifikate) sprechen, nicht nur die Luft. ‚Wastelands‘, Land, das ohne Besitztitel benutzt wird, im Allgemeinen durch arme und/oder indigene Leute, wird umgewidmet zu Holzplantagen, Mensch und Tier werden vertrieben, damit wir unser Lebensstil nicht ändern müssen. Das ist mir auf diesem Kongress noch mal klarer geworden.

Dieser Prozess kritisieren bedeutet aber letztendlich nicht nur den Kapitalismus kritisieren sondern auch schauen, was man ansonsten schon so abgetreten hat und wie man das eigene Leben wieder zurückbekommt. (Also: in kleinen Schritte und zusammen mit Anderen, in Gemeinschaft. Da fängt es schon an, schwierig zu werden, wie ich mich aus den Diskussionen mit den Nachbarn über die neue Heizung erinnere. Man ist aber nie zu alt zum lernen.) Speziell in diesem Bereich war der Kongress inspirierend.

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5 Comments

  1. Posted 23 Mai 2009 at 1:27 pm | Permalink

    Wir als Gesellschaft treten das Recht auf Verschmutzung durch den Emissionshandel ab? Tun wir das nicht viel mehr in dem wir jetzt Verschmutzung quasi zum Nullpreis ermöglichen? Das ist eigentlich das stärkste Argument für den Emissionshandel, nicht dagegen. Endlich ist Verschmutzung nicht mehr gratis und Verschmutzer müssen ordnungsgemäß dafür bezahlen.

  2. Posted 23 Mai 2009 at 2:38 pm | Permalink

    Hallo Gernot,

    wir treten das Recht auf Bestimmung ab. Wir sagen nicht: Du da, mindere deine Emissionen, Du da, mach mal was ganz anderes. Wir sagen: hier bitte, ihr dürft, aber in der Gesamtheit nur soviel. Wer am meisten bezahlt, hat das Recht. Wer am schnellsten ein Schlüpfloch findet, hat gewonnen.

    Der Verschmutzer muss nicht bezahlen. Emissionshandel hat noch keinen Milligram CO2 eingespart. Aber wir haben das Recht abgetreten, Grenzen zu stellen.

    Die Verschmutzung entsteht durch Externalisierung. Wir hängen jetzt ein Preiskärtchen an einer Externalisierungsmöglichkeit; die Druck zur Externalisierung bleibt bestehen. (Eingepreist im jetzigen NAP: bis zu 20% CER-Zertifikate die sicher keine Einsparungen in Deutschland entsprechen.)


One Trackback

  1. By Energiewende « – was einer so denkt – on 16 Juli 2009 at 11:52 am

    […] Auf dem BUKO32-Kongress habe ich die Transition Towns kennengelernt. Inzwischen habe ich die Idee weiterverfolgt. Ich lese gerade ‘The Transition Handbook‘ […]

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