Strommarktmodellierung mit Agenten

Ich habe gerade ‚Engineering Interrelated Electricity Markets‚ von Anke Weidlich zu Ende gelesen.

  1. Das Buch enthält auf der Metaebene eine sehr gute Einführung in den deutschen Strommarkt. Wenn man als Berater oder Entwickler neu im Bereich Stromhandel ist, kann man hier einen sehr guten Einstieg finden.
  2. Das Buch enthält eine Einführung in Agentensystemen. Ich bin zu wenig im Thema, um diese Einführung beurteilen zu können, aber zu mindest ist die Autorin a) positiv aber nicht euphorisch und b) hinterfragt sie die gängige Anwendungspraxis der Methodik. Wer agentenbasiert simuliert muss die Gültigkeit seiner Modelle demonstrieren.
  3. Mir hat es gefallen, dass der Validierung des Modells ein eigenes Kapitel gewidmet war.
  4. Bei den durchgeführten Simulationen fiel es mir schwer, die Durchführung zu beurteilen. Ich war aber über die Ergebnisse nicht so richtig erstaunt und fand die Fragestellungen nicht so gewagt. Jetzt ist also die große Frage: was passiert weiter mit dem Modell? Werden auch mal gewagtere Hypothesen untersucht?

Geforscht wurde in den folgenden Bereichen

  • Wie die Preise in der Minutenreservemarkt durch die Kapazität beeinflusst wird und die Auswirkung auf den Spotmarkt.
  • Wie die Preise im Minutenreservemarkt sich ändern, wenn von pay-as-bid Bepreisung auf einen Market Clearing Price gewechselt wird und wie der Einfluss auf den Spotmarkt ist.
  • Was passiert, wenn die großen Erzeuger in Deutschland aufgespalten werden.

Obwohl die Preise für CO2-Emissionen immer wieder erwähnt werden, sehe ich nicht, dass Frau Weidlich in dem Bereich gespielt hat. Ich vermute, dass der Fokus der Forschung auf die Anwendung agentenbasierter Methoden gerichtet war. Diese Vermutung verfestigt sich, wo weder CO2-Politik noch strukturelle Änderungen am Markt untersucht werden. Ich denke hier z.B. an die von Bauknecht und Brunekreeft vorgeschlagene Änderung (in ‚Energy Market Reform‘) der Reihenfolge in Reserve- und Spotmarktauktionen oder die Bezahlung für Kapazitäten um Investitionsentscheidungen zu beeinflussen, wie Andy Ford sie für den kalifornischen Markt vorgeschlagen hat.

Einen Kommentar schreiben

Required fields are marked *

*
*

%d Bloggern gefällt das: