Das Pauperparadies

Ich habe ‚Het Pauperparadijs‘ von Suzanna Jansen gelesen. Und bin begeistert und gerührt.

Erstens ist es ein gut geschriebenes Buch mit einer klaren Linie. Die Autorin beschreibt die Geschichte der Armut anhand fünf Generationen ihrer eigenen Familie. Ein zentraler Platz nimmt die Kolonie ‚Veenhuizen‚ ein. Heutzutage ist Veenhuizen ein Örtchen mit 5 Gefängnisse und ein Gefängnismuseummuseum, im Mitte des letzten Jahrhunderts hat einen holländischen Offizier und Politiker eine Gesellschaft für Wohltätigkeit gegründet, die in mehreren Heimen versucht hat, ‚Pauper‘ und ‚Landstreicher‘ umzuerziehen. Das ganze war wirtschaftlich nicht so stabil aufgesetzt, was selbstverständlich die ‚Kwalität der Sorge‘ nicht verbessert hat. Aber es gab mehr Probleme.

Im Buch wird klar, wie Armut, Entmündigung und Erniedrigung sich im Wesen der Menschen festsetzt und über die Generationen weitergegeben wird. Das hat mir auch noch mal nachdenken lassen. Die Berufe, die die Autorin in ihre Familiengeschichte benennt, Dienstmädchen, Landarbeiter, sind auch Teil meiner Familiengeschichte.

Am spannendsten finde ich aber, dass das Buch die Rolle der Sozialdemokratie klar macht bei der Bekämpfung der Armut. In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, wo die Geschichte anfängt, waren die Niederlanden noch eine richtige Standengesellschaft. Wer Louis Couperus ließt, kann einen Geschmack davon bekommen, wie die ‚Oberschicht‘ sich und die Anderen hier sah. Die Sozialdemokratie hat den Menschen an der unteren Rand der Gesellschaft einen Platz in der Welt geboten, dadurch, dass diese sich den Platz genommen haben. Eine gute Wohnung war plötzlich ein Recht und kein Wohltat. Ein Weg aus der Armut auch.

In ihre Verantwortung sagt die Autorin: „Veenhuizen als Umerziehungslager existiert nicht mehr, aber wenn ich die Zeitung aufschlage, sieht es so aus, als ob die Geschichte weiterverfolgt wird„. Dabei kommt sie mit Zeitungszitate zu Junks, Obdachlose und Arbeitslose, wie sie hier auch zu finden sind. Hier mal drei Beispiele.

Es gibt sie wieder, die wohlmeinenden Bürger, die den ‚Unterschicht‘ bevormunden. Und es gibt wieder einen Unterschicht, Menschen, die keinen selbstverständlichen Platz in der Gesellschaft haben. Nur die Sozialdemokratie ist nicht so präsent, eine politische Stimme, die Gerechtigkeit über Markt stellt und sagt, dass dieses Land das Land aller Menschen ist, die hier wohnen oder arbeiten.


‚Lach nie, wenn Du den Wagen stehen siehst,
Du kannst es besser betrauern.
Bedenkt, dass was er verbrochen hat,
morgen Dir auch passieren kann‘

Hier noch eine flottere Version:

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