Stille Zeugen

Eigentlich war dieses Bild für die Kategorie ‚Schadenfreude‚ gedacht. Hier ist einen Betonpfosten zu sehen, am Ende eines frischgemähten Streifen Gras.

Der Streifen wurde gemäht mit einem Böschungsmäher, so in etwa wie die Unimogfreunde sie hier vorstellen:

Der Treckerfahrer hatte den Pfosten im hohen Gras übersehen und danach wahrscheinlich ziemlich geflucht. Zumindest sieht es aus, als ob auch der Mäher nicht ohne Schaden geblieben ist.

Dann wurde mir aber klar, dass hier die Marktlogik der Finanzmärkte im Kleinen spielt. Und dass hier der Unsinn der Trennung zwischen Finanz- und Realwirtschaft gezeigt werden kann. Also, passt auf!

Das Mähen der Seitenstreifen wird i.A. durch Lohnbetriebe ausgeführt. Diese bekommen die Aufträge von Gemeinden oder wie in diesem Fall von einem Deichband. Somit müssen sie die Kosten optimieren. Wenig Manpower, viel mähen auf einmal, so wie die Unimogfreunde beschreiben:

besteht aus einem Randstreifenmäher des Typs XXX sowie einem Böschungsmäher XXY, der über einen Parallelogramm-Ausleger mit hydraulischer Radabstützung verfügt. Damit ist diese Kombination insbesondere für den kombinierten Mäheinsatz im Ein-Mann-Betrieb prädestiniert

Hier ist meine Interpretation:

  1. Der Deichband hat sich verpflichtet, die Deichflächen so wirtschaftlich wie möglich zu bewirtschaften. Er schreibt die Mäharbeiten aus.
  2. Der Lohnbetrieb muss so billig wie möglich anbieten. beim erhöhter Investitionsaufwand in einen größeren Trecker und einen Böschungsmäher liegt der Stundensatz zwar höher, aber sein Fahrer braucht weniger Zeit für den Deich und somit kann er billiger anbieten. Der erhöhten Schadensrisiko durch das Fehlen der direkten Rückkopplung ist selbstverständlich nicht kalkuliert. Da hat der Hersteller nichts zu gesagt.
  3. Jetzt ist der Schadensfall eingetreten. Der Deichband ist trotzdem glücklich mit dem niedrigen Preis. Der Lohnbetrieb ist auch immer noch zufrieden mit der Investitionsentscheidung (denn ansonsten hätte er den Auftrag schon gar nicht bekommen!) und der Treckerfahrer ist das Arschloch.
  4. Der Konkurrent, der das Risiko eingepreist hat, kann das auch nicht all zu oft machen.

Und was hat das mit dem Finanzmarkt zu tun? Auch da gibt es Hebelprodukte mit uneingpreisten Nebenwirkungen. Plötzlich gibt es da einen Schaden, der selbstverständlich keiner gesehen hat. Der schon deswegen keinen gesehen hat, weil die Rückkopplungsmöglichkeiten ausgebaut sind.

Hier noch ein Beispiel aus der Entsorgung:

Der Landkreis beauftragt eine Firma, um den Müll zu entsorgen. Auch das wird ausgeschrieben, und derjenige Entsorger, der ein Einmannsystem einsetzt, kann am billigsten anbieten. Auch hier fehlt die direkte Rückkopplung, wie der Container nun eigentlich im Haken hängt. Das Ergebnis ist, dass die Container schneller kaputt gehen. (Auch noch ein schönes Beispiel von Externalisierung der Kosten durch Liberalisierung des öffentlichen Dienstes.)

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