irgendwann werde ich auf meine Webseite eine Liste mit Publikationen haben
weil ich nicht nur im eigenen Blog publiziere.
Im Moment wäre die Liste übersichtlich…
Ich habe gerade Eric von Hippels ‘Democratizing Innovation‘ zu Ende gelesen und war ab Anfang begeistert. Ich werde versuchen, es hier zusammenzufassen. Dabei hilft mir, dass das erste einführende Kapitel schon einen kapitelweisen Überblick bietet
(Und wer mehr als meine Zusammenfassung braucht, kann Kapitel 1 oder auch das ganze Buch online nachlesen.
Das Buch beschreibt, wie sich Innovation demokratisiert. Es ist ein deskriptives, kein normatives Buch. Erst am Ende werden Implikationen für Forschungspolitik aufgezeigt. Die Erklärungen im Buch folgen alle den Markttheorie. Dabei wird oft auf Agencyprobleme zurückgegriffen. Am Anfang wird festgestellt, dass immer schon Anwender neue Märkte und Industrien definiert haben: die Werkzeugmaschinenindustrie ist entstanden aus Innovationen bei den ersten Massenfertiger, speziell Textil- und Waffenindustrie.
Die empirische Forschung im Buch bezieht sich auf solch unterschiedene Branchen wie Software, Medizintechnik, Baumaterial, Chipfertigung, Sportequipment.
Im zweiten Kapitel wird empirische Forschung nach ‘User Innovation’ beschrieben. Hier wird speziell auf Erneuerung durch ‘Lead Users’ eingegangen, Anwender, die führend sind im Markt. Beschrieben wird, wie die Zusammenhang zwischen ‘lead-user-ness’ und Innovationsattraktivität ist. Mit dem Ergebnis, dass Unternehmen, die Innovationen von Lead-User umsetzen, erhebliche Vorteile davon haben.
Im dritten Kapitel wird beschrieben, warum gerade Lead-User selber Hand anlegen. Das ist, weil es ‘Der Kunde’ nicht gibt, die Industrie aber immer nach den Bedürfnissen ‘des Kunden’ sucht. Somit werden die Lead-User nicht bedient. Den Kunden gibt es nicht, weil es ‘Der Markt’ schon nicht gibt. Massenanfertigung kann zwar homogene Produkte hervorbringen, aber damit sind die Bedürfnisse der Kunden nicht homogen.
Im vierten Kapittel werden dann Marktmechanismen beschrieben, theoretisch und an Hand von einem Beispiel aus der Herstellung von Verbundplatten aus der Bauindustrie, wieso Anwender selber zur Tat schreiten.
Im fünften Kapitel wird dann die ungleiche Verteilung von Informationen dargestellt. Der Anwender kennt seinen Anwendungsraum, der Hersteller kennt seinen Technologieraum. Anwenderinnovation ist funktional, Herstellerinnovation ist technologisch. (Beispiel: ein Anwender kommt vielleicht auf die Idee, zwei Teile zu verleimen statt zu verschrauben, einen Schraubenhersteller bestimmt nicht.) Es wird festgestellt, dass viele Anwenderlösungen Informationen brauchen, die nicht beim Hersteller vorhanden sind. (Sticky Information) Mit Hilfe des Standardinnovationszyklus wird erklärt, dass es wesentlich schneller sein muss, eine benötigte Anpassung beim Anwender vorzunehmen.
Im sechsten Kapitel wird die Frage verfolgt, wieso Anwenderinnovationen oft frei zur Verfügung gestellt werden. Zusammengefasst ist das, weil der Anwender nichts vom Patentrecht zu erwarten hat. Und eigentlich ist (empirisch unterbaut) das Patentrecht eher eine Innovationsbremse. Und als Lead-User hat man auch was von Innovationen, die anderen zur Verfügung stellen. Ein interressantes Beispiel kam hier aus der Bergbaugeschichte, wo auch viel Innovation geteilt wurde. Nachdem Watts Patent auf die Dampfmaschine abgelaufen war, gabes spezielle Zeitschriften für Bergbauingenieure, wo Innovation an Pumpen etc. geteilt wurden.
Das siebte Kapitel beschäftigt sich mit Anwendergemeinschaften, die erneuern. Hier wird speziell Open Source Software beleuchtet (gähn, ja da geht das, das sehe ich auch) um dann überraschenderweise auf Mountain Biking und Kite Surfing Equipment zu wechseln. Festgestellt wird, dass in den meisten Herstellungsprozessen erst mal eine Informationsphase (= Entwurfsphase) besteht, bevor der Hersteler mit seiner Infrastruktur seine Stärken ausspielen kann.
Im achten Kapitel werden die Konsequenzen des bisher Beschriebene für Innovationspolitik beschrieben. Ist es wirklich effektive Innovationspolitik, wenn man die R&D-Abteilungen fördert, damit neues Intellectual Property entsteht, das höchstens dazu dient, ein Patentdickicht aufzubauen, dass Innovation verhindert? (Polemisierung kommt von mir.)
Im neunten Kapitel wird dann geschaut, wie Hersteller effektiv mit demokratisierte Innovation umgehen können. Dies wird in den folgenden zwei Kapiteln weiter ausgearbeitet. Erst wird festgestellt, dass Hersteller bestimmte Vorteile haben: sie haben Produktionsinfrastruktur. Was sie also tun können, ist Lead-User ausfindig machen und sie aktivieren. Ein erster Schritt ist es, die eigene Produkte auf Anwendermodifikation zu entwerfen. Ein nächster Schritt ist der Aufbau von Anwendergemeinschaften. Vielleicht reicht auch die Identifikation von spontan entstehende Gemeinschaften. Und dann muss der Rücktransport von Information ermöglicht werden. Hier war für mich ein Beispile aus der Nahrungsmittelindustrie sehr einleuchtend. Kurz vorm Ende hol ich also noch mal aus. Nestlé stellt Kundenspezifischen Produkten her. Im Beispiel waren das ‘Mexican Sauces’ für Restaurantketten. Chefkochs dieser Ketten konnten eigene Rezepte einschicken, die dann durch Nestlé umgesetzt wurden. Beide Seiten haben aber eine eigene technologische Sprache gesprochen: das Kochen in einer Küche ist etwas ganz anderes als das Kochen in einem industriellen Prozess. Nestlé hat dann ein Toolkit erstellt mit Standardingredienten für Mexican Sauce. Standard Chilipampe, Standardtomatenzubereitung undsoweiter. Rezepte, die hiermit zubereitet wurden, waren in 2 bis 3 Wochen produktionsreif, statt nach sechs Monate. Was das bedeutet für die Kundenzufriedenheit, kann sich jeder selbst ausmalen.
Im 12. und letzten Kapitel werden die Kreise des Buches weiter gezogen in anderen Wissenschaftsfelder.
Ich kann das Buch jedem weiterempfehlen.
Ja, wunderbar, besser kann man Sonnenenergie nicht nutzen! Wir nehmen Sonnenlicht, produzieren damit Dampf, damit Öl aus Gestein freigesetzt wird und hoch gepumpt werden kann. Das sind übrigens hochschwefelige schwere Öle, wo noch mehr Energie verwendet werden muss, um etwas Nützliches raus zu machen.
Harnessing the Power of the Sun for Oil Production | The Energy Collective.
Ab dem 1. November werde ich wieder freiberuflich unterwegs sein. Dann fängt mein erstes Projekt an und werde ich drei Tage pro Woche in Amsterdam sein. Ich freue mich riesig
Ich werde mich in den nächsten Jahren mit folgenden Themen beschäftigen:
Das war es im kurzen. Genaueres auf meine Webseite oder bei ![]()
Gestern war ich mit meiner Tochter am AKW Unterweser. Campact hatte hier eine Aktion vorbereitet. Es war ein schöner Spaziergang, super Stimmung, die Idee war gut und es sah gut aus
Ich habe aber trotzdem meine Zweifel, denn das ganze hat nun wirklich keinen Bezug mit mir mehr gehabt. Die Politik braucht seit einige Jahren (Jahrzehnte?) die Bürger nur noch als Statisten, die durch PR inszeniert werden. Jetzt soll das erfolgreichste Gegenkonzept – denn Campact ist erfolgreich, ohne Zweifel – auch auf Inszenierung setzen?
Interessant sind die Bilder der Tagesschau erst durch was man nicht sieht.

Oben an dem weißen Stiel hängt NOCH einen Gondel mit vier Kameraleute. Ein ganzer Haufen Technik ist aufgebaut für diese Inszenierung. Mir ist mulmig. Aber, wie gesagt, nette Leute, gute Stimmung, danke ihr unbekannten Gesprächspartner, mit denen ich mich so nett unterhalten habe, danke Töchterlein, dass Du unbedingt mit deiner Freundin dahin wolltest.
Zum Schluss noch mal die Wolke von unten:
Ich erinnere mich noch an den beruhigenden Worten, die der Spiegel vor 14 Tage aus der Dresdener Expertenrunde publizierte:
Die Ausgangslage:
„Wir wissen sehr wenig“, sagt DPG-Präsident Wolfgang Sandner
Man kann aber relativ schnell beurteilen, wie schlimm es wird:
Denn vor allem der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle. „Entscheidend sind die ersten 20, 30 Stunden nach der Schnellabschaltung“, sagt Antonio Hurtado, Professor für Kernenergietechnik von der TU Dresden.
Und eigentlich kann es nicht schlimm werden:
Der Münchner Strahlenschützer Herwig Paretzke hält die befürchtete Verstrahlung großer Regionen inzwischen für unwahrscheinlich. „Selbst wenn es jetzt noch zu einer großen Explosion und Freisetzung von Nukliden kommen sollte, wären die Folgen nicht so schlimm wie damals in Tschernobyl“. [..] Inzwischen würden in den Meilern, nach allem was man wisse, keine gefährlichen Nuklide mehr produziert.
Wie vorhin schon festgestellt, ‘wissen wir sehr wenig’, aber das stört den Experten nicht, sich zu äussern. Experte bleibt man nämlich, wenn man den Größten Annehmbaren Unsinn produziert:
Paretzke und Hurtado stützen ihre Ferndiagnose auch auf die bislang freigesetzten Nuklide. „Bislang wurden außerhalb des Atomkraftwerks erstaunlicherweise nur Cäsium-137 und Jod-133 nachgewiesen“, sagt Paretzke. Diese Nuklide könnten sogar aus den Filtern stammen, die beim Druckablassen durchgeblasen wurden. Womöglich hatten sich die nun nachgewiesenen Nuklide dort über Wochen angesammelt und gelangten nach dem Störfall in die Luft.
Es hätte ja sein können, nach allem was wir wissen…
Der Dresdner Physiker ist guter Hoffnung: „Wir erwarten eine sukzessiv bessere Beherrschung des Störfalls.“
Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt….
Streit der Woche: „Es geht nur um den eigenen Luxus“ – taz.de.
Im Onlineartikel wird auf den aktuellen TAZ verwiesen – frag mich nicht, warum sie nicht alles online stellen – und hier finden wir folgende Stilblüten von Frau ‘Martina Kohl, WWF-Expertin für nachhaltigen Tourismus‘ (taz).
Liest und schaudert:
‘Kann Tourismus dennoch die Welt verbessern? Natürlich [..] Kein anderer Wirtschaftszweig hat diesen unglaublichen Potential dazu. Die Natur und Landschaften des eigenen Landes und fremden länder weltweit in ein attraktives Produkt zu verwandeln, sie in Wert zu setzen.’
Also: wir können die Welt dadurch verbessern, dass wir Natur und Landschaften in Produkte verwandeln, verwerten? Viel zynischer hätte ich es nicht sagen können. Erst, wenn der letzter Stein verwertet ist, leben wir in den perfekten Welt. Oder wie war das auch schon wieder die Cree-Weissagung, die in den Achtzigern so populär war?
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.