Markt und Wiederwille

Das erste Mal, dass ich dieses Video gesucht habe, habe ich auf Market Failure gegoogeld. Aktuell interessiert mich das ‘Market Design’ Teil. Der Harvard Wirtschaftswissenschaftler Al Roth:

Kurz zusammengefasst: wieso  funktionieren Märkte, wieso scheitern sie. Dargestellt anhand von Arbeitsmärkte und Nierenmärkte. Wobei Arbeitslosigkeit in dieser Zusammenhang nichts mit Scheitern zu tun hat.

EU CO2 policy harms gas plant investment it aims to support: CEZ

EU CO2 policy harms gas plant investment it aims to support: CEZ

Alan Svoboda, CEZ head of sales and trading:

“If gas prices rise to catch up with coal prices this might lead to power prices that do not allow for a continuation of current CO2 policy in Europe. We therefore have to diversify our fleet,” he said.

Demo Verteilte Algorithmen

Mal eine andere Art um verteilte Algorithmen anschaulich zu machen:

Es gibt keine übergreifende Steurung, kein Ampel, keine Rotonde. Jede FahrerIn hat aber ein Algorithmus: gehe dahin wo du hin willst. Wenn es nicht weiter geht, warte. Wenn es wieder weitergeht, dann beeil dich.

Sicherheit 2

Sicherheit macht Spaß :-)

blackbag » Amsterdam police uses air robot … for how long?

The moment I heard about it, I wondered how easy it would be to take over the remote control of this ‘air robot’.

As great minds think alike, Huub Roem of Dutch ‘Frequency Monitoring Center‘ found out they use the Multiplex ROYA Levo remote control for the air-robot.

Sicherheit

Spannender aber langer Vortrag über Sicherheit. Nicht über Softwaresicherheit, sondern über die Sicherheit von Schlösser.  Wer gerade 80 oder 300 Euro in ein neues Schloss investieren will, muss sich hier anschauen, wie schnell man das Schloss öffnen kann. Lockpicking wäre doch auch mein Sport

Der zögerliche Negawatt

The Economist hat ein Artikel zum Thema ‘Energieefizienz: Wenn es Geld bringt, warum machen es nicht alle?’ Es sind 3 Seiten anstatt 200 Seiten ‘Mind the Gap’, und breiter.

Energy efficiency | The elusive negawatt | Economist.com
If energy conservation both saves money and is good for the planet, why don’t people do more of it

Ich fand den Artikel interessant und ungenau:

The McKinsey Global Institute (MGI), the research arm of the consultancy, thinks that energy efficiency could get the world halfway towards the goal, espoused by many scientists, of keeping the concentration of greenhouse gases in the atmosphere below 550 parts per million.

Wie schon mal geschrieben, ist 450 ppm. ein vernünftiges Ziel, dass in der Form auch von Vattenfall verfolgt wird/wurde. In die gleiche Vattenfallstudie wurde auch schon die Energieeffizienz als Quelle für Emissionsminderung beschrieben, übrigens nicht zu einem dermaßen großen Anteil wie der Artikel suggeriert.

The problem, analysts explain, is a series of distortions and market failures that discourage investment in efficiency.

Da sind wir wieder. Der Markt kennt keine ‘Failures’. Wer ‘Marketfailure’ sagt möchte nur nicht denken, dass der Markt nicht seligmachend ist. Aber das habe ich vor kurzem schon ausreichend bejammert.

Für mich neu war,

  1. dass der Gabrielschen Herangehensweise an der Minderung der CO2-Emissionen von Autos aus der USA übernommen ist. (Wer größere Autos baut darf sie weiterhin mehr emittieren lassen.)
  2. das Geschäftsmodel der ESCos oder Energy Services Companies, und die Einschränkung, dass 80% der Kundschaft dieser ESCos im öffentlichen Bereich liegen. (ESCos bieten Energiesparmaßnahmen bei Kunden an, wobei der Kunde weiter das gleiche bezahlt, und der ESCo die Ersparnisse in der Tasche steckt.)
  3. das ‘decoupling’ Modell in California, wobei Utilities mehr Gewinn machen, wenn sie weniger Strom gebrauchen. Interessant ist, dass gerade diese Gedanken - wie verdiene ich ausreichend während ich weniger Energie verkaufe - in Deutschland vom ‘Markt’ kommen. Vgl. dazu das Interview, dass EWEs Dr. Werner Brinker im E&M Jahresmagazin 2007 gab.

Und zum Schluss, irgendwo in ‘Mind the Gap’ auch so benannt:

However, no matter what methods governments adopt to encourage energy efficiency, the results may not be as impressive as they imagine. The culprit is something called the “rebound effect”. Falling demand for electricity or fuel brought on by an efficiency drive should lead to lower prices. But cheaper energy, in turn, is likely to prompt greater consumption, [...] which is likely to involve the consumption of fuel and power. [...] Either way, negawatts are worth pursuing. But they are unlikely to satisfy the world’s thirst for energy to the extent their advocates assume.

Der Markt eben…

Klimakriege

Ich habe ‘Klimakriege’ von Harald Melzer zu Ende gelesen. (Ich hatte schon vor einigen Wochen über das Buch geschrieben.) Das war eine düstere Lektüre.

Ich kann mich ganz gut zurückfinden in seiner zentralen Stellung, dass das Klimaproblem kein technisches sondern ein kulturelles Problem ist. Und dass das auch die Ebene ist, wo wir was lösen können, oder auch nicht.

Vieles im Buch dreht um die Geschichte der Gewalt, wie Gewalt unsere moderne Staten gebildet hat und wie die berechnende Vernichtungsmaschinen der Nazis und Stalinisten nur im Rahmen der Moderne und der Aufklärung verstanden werden können. Der Melzer hat gerade im Bereich des Nazigewalts viel geforscht, und das merkt man dem Buch an.

Der Gewalt in Ruanda reiht er in der genannten Tradition ein. Bei Darfur wird er noch spezifischer. Und in beiden Zusammenhänge beleuchtet er die Klimaaspekte. Zwei andere Sachen haben mich aber mehr beeindruckt: 1) sein Standpunkt, dass die Konflikte in Sudan (oder auch Somalien) nicht eine Äußerung sind von weiter existierenden Clanstrukturen, sondern alle Merkmale einer Auflösung dieser Strukturen in der Moderne tragen und 2) dass sich in diesen Ländern eine Gewaltökonomie stabilisiert, wobei es sich für Teile der Bevölkerung mehr lohnt, die Gegend instabil zu halten und weiter zu töten, als sich auf ein Friedensprozess einzulassen.

Aus dem Gewalt von heute projiziert er eine Gewalt der Zukunft, die mit kollabierenden Staaten einhergeht, ethnischen Säuberungen, und eine Verlagerung der europäischen Aussengrenzen immer weiter nach aussen. Die Flüchtlinge sollen sich nicht mehr in belgischen Polizeizellen erhängen, sondern in der lybischen Wüste verdursten oder auf dem Weg nach den Kanaren ertrinken. Auch das passiert heute schon. Innenpolitisch wird sich der Fokus immer mehr von Freiheit auf Sicherheit verlagern, wobei der ‘wir <-> die Anderen’ Dynamik auch einiges an Gewalt in sich trägt. Auch hier sehe ich schon relativ dicke Wurzeln Europa, z.B. in den Niederlanden (Fortuyn, Wilders, Verdonk), aber auch in Deutschland, wo Koch noch zurückgepfiffen wurde, aber die CDU Krause zum Kultusminister in Thüringen machen wollte.

Nachher bringt er alles wieder mehr in der Klimakontext, um mit gleich zwei ‘Was man tun kann und was nicht’ Kapiteln zu enden. Im ersten dieser beiden Kapiteln beschreibt er die  Ansätze auf persönlicher, nationaler und internationaler Ebene, und die Bedeutung der Möglichkeiten. Im zweiten zweifelt er mit einer ganz guten Begründung, ob wir überhaupt etwas anderes tun werden als weitermachen wie gehabt.

Das Buch hat mich nicht froh gemacht. Und es hat mich verstehen lassen, wieso gerade sehr intelligente Leute die Tendenz haben, Klimaprobleme vehement zu leugnen: Ohnmacht ist nämlich ganz schlecht auszuhalten. (Oder ‘Dissonanz’, wie Melzer schreibt.)

Institute for Policy Studies: “World Bank: Climate Profiteer”

Ich habe es noch nicht gelesen, aber es passt zu meinem Lesefutter:

Bericht vom Institute for Policy Studies: World Bank: Climate Profiteer

By Sustainable Energy and Economy Network

Author(s): Janet Redman

After years of waning global influence, the World Bank has attached itself to the climate crisis like a patient on life support. Facing a crisis of legitimacy over its failed economic policy proscriptions and long track record of boondoggle projects, the aging institution is attempting to give itself a makeover. No longer is it just the Bank whose “dream is a world free of poverty.” Now it is the Bank that can solve the climate crisis. The facelift includes a $2 billion portfolio of trust funds that channel carbon finance – money used to buy cuts in greenhouse gas emissions from projects in developing countries – from polluting industrialized countries in the global North to some of the most ecologically destructive industries in the global South.

This report exposes the World Bank for what it is – and names it as such – a “climate change profiteer.” The World Bank irresponsibly and recklessly continues to perpetuate the world’s dependence on climate-altering fossil fuels while profiting from carbon trading, which is a dubious remedy to climate change.

Nachtrag 8. Mai 2008:
ähnlich wie ‘Carbon Trading’ von der Dag Hammarskjöld Foundation, aber auf der Weltbank zugeschnitten.

Energie sparen und der Markt 2

Ich habe ‘Mind the Gap’ jetzt zu Ende gelesen. Und ich bleibe dabei, dass das Buch eher politische als wissenschaftliche Zwecke dient.

Noch mal rekapitulierend: das Buch stellt fest, dass ‘der Markt’ nicht in der Lage ist, Energieeffizienz herbei zu führen. Das liegt nicht am Markt, selbstverständlich, aber an der Qualität der Markt. Eine der Gründe, dass der Markt von schlechter Qualität ist, könnte das Principal-Agent Problem sein. Dann wird geschaut, ob in bekannten Märkten ein Principal-Agent Problem vorhanden sein könnte, und wenn ja, welche Menge an Energie betroffen sein könnte. Am Ende steht dann als Schlussfolgerung, dass die Daten nicht vollständig sind, und dass weitergeforscht werden muss.

Interessant ist, dass zwischendurch immer wieder deutlich wird, dass die japanische ‘Top Runner’ Anforderung eine sehr effiziente Maßnahme ist. Ohne zu schauen, welcher Teil vom Markt vom Principal-Agent Problem betroffen ist, wird einfach die Energieeffizienz von Geräten und Anwendungen immer an seinen Obergrenzen gezwungen.

Das Buch beharrt also auf die Erforschung von Lösungen, die ein ‘Marktversagen’ korrigieren, obwohl ganz einfache ordnungspolitische Mechanismen vorhanden sind. Das wird ziemlich politisch, wenn man die US-amerikanische Situation betrachtet. Hier ist es nämlich so, dass die Environmental Protection Agency (EPA) nur marktgerechte Maßnahmen treffen darf. Unternehmen können immer klagen, wenn sie meinen, dass eine Maßnahme den Markt verzerrt. David M. Driesen hat diese Dynamik treffend beschrieben in sein The Economic Dynamics of Environmental Law.

Oder in postmoderne Rhetorik: das Buch verlegt den ‘Discours’. Wir reden nicht über effiziente Maßnahmen, um Energie zu sparen, sondern über ein Marktversagen und wie wir die Marktmechanismen wieder wirken lassen können, damit implizit bestätigend, dass der Markt ‘an sich’ zu den besten Lösungen kommt.

Meine Schlüsse sind:

  • Das PA-Problem ist interessant und kann einiges erklären.
  • Wenn man eine Lösung hat, bevor man sein Modell des Problems quantifiziert hat, muss man mit der Lösung anfangen.
  • Man kann schon viel Hirnschmalz versenken.

Erster Arbeitstag

heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag bei BTC. Nach mehr als fünf Jahre Selbständigkeit ist das ein großer Schritt.

Heute war ‘BTC First day’, mit vielen Informationen zum Unternehmen, und danach bin ich zu meinem Arbeitsplatz, der noch nicht fertig war, gebracht und den neuen Kollegen, die längst nicht alle da waren, vorgestellt.

Es fühlt sich komisch an, wieder einen Platz zu suchen in einer so großen Organisation. Aber ich hoffe, dass ich einiges bewegen kann auf der Schnittstelle von dezentraler Energieversorgung, Energiehandel und erneuerbaren Energien.